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25. 07. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Richtiges Leben im falschen

Sommerinterviews, Teil 2

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Sommerintervies, Teil 2

Kristina Holze, 18 Jahre Jahre, Vorsitzende des Landesschülerrates in Sachsen-Anhalt.

Bildung PLUS:
 Deutschland hatte früher einmal den Ruf, das Land der Dichter und Denker zu sein. Und heute...

Kristina Holze: Es gibt immer noch viele Dichter und Denker, es ist nur nicht so publik, weil sie im Zeitalter der Massenmedien nicht so sehr auffallen. Zu ihrer Zeit waren Goethe und Schiller auch nicht so bekannt wie heute. Was im hiesigen Bildungssystem fehlt, ist Kontinuität. Mit Kontinuität können wir dahin kommen, wo wir früher mal waren.

Bildung PLUS: International stehen die Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht gut da. Sind die Schüler zu dumm oder die Lehrer zu blöd, die Schüler schlau zu machen?

Kristina HolzeKristina Holze: Es liegt an beiden Gruppen. Die Politiker sind schuld, dass das Bildungssystem nicht ausgereift ist, weil es an Kontinuität an allen Ecken und Enden fehlt. Jeder trägt dazu bei, dass es im Moment nicht funktioniert, wie es funktionieren könnte. Aber es gibt viele Projekte, die angestoßen werden, wie "Produktives Lernen" oder "Ganztägig lernen", die Schritte in die richtige Richtung sind. All dies wird zu einem besseren Schulsystem führen.

Bildung PLUS: Was ist für Sie eine schlechte Schule? Was ist für Sie eine gute Schule?  

Kristina Holze: Eine schlechte Schule ist eine Schule, in der Schüler, Eltern, Lehrer und alle, die dazugehören, sich nicht verstehen. Dort, wo Unterricht und Wissensvermittlung gleichermaßen schlecht laufen und das ganze Miteinander nicht funktioniert.   

Das Gegenteil ist eine Schule, in der alle Beteiligten ihre Fähigkeiten einbringen. Dort gibt es keinen Frontalunterricht, vielmehr geht man auch raus, um an Projekten zu arbeiten. Die Schulleitung behält den Überblick, und die notwendigen Mittel werden zur Verfügung gestellt. Diese Schule verfügt über ein eigenes Budget und muss sich nicht mit Haarspaltereien bei der Finanzierung des Haushaltes herumschlagen. 

Bildung PLUS: Was können Sie vom Leben lernen?   

Kristina Holze: Ich hoffe noch vieles. Ich will studieren, dann in die Politik einsteigen und dann vieles lernen. Am meisten interessiert mich die Bildungspolitik. Da gibt es viel zu verändern. Außerdem möchte ich nicht so falsch werden wie manche unserer Politiker, die bestimmte Themen im Wahlkampf abfackeln und danach nichts mehr von ihren früheren Positionen wissen wollen. Ich will bei der Wahrheit bleiben. 


Marcel Pytka, 17 Jahre, stellvertretender Vorsitzender im Landesschülerrat von Sachsen-Anhalt.    Marcel Pytka

Bildung PLUS:
 Deutschland hatte früher einmal den Ruf, das Land der Dichter und Denker zu sein. Und heute...  

Marcel Pytka: Ich denke, es gibt noch genug Menschen, die Köpfchen haben, ob sich das nun im Dichten oder Denken ausdrückt oder einfach nur in der Fähigkeit, sich selbst Wissen anzueignen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es eine Vielzahl an Spezialisierungen gibt und Deutschland manchen Ländern weit voraus ist.  

Bildung PLUS: International stehen die Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht gut da. Sind die Schüler zu dumm oder die Lehrer zu blöd, die Schüler schlau zu machen?   

Marcel Pytka: Hier handelt es sich um eine Symbiose aus beidem. Wir haben das Problem einer Null-Bock-Stimmung. Die Schüler haben keine Lust zu lernen, weil sie gar nicht wissen, wofür sie lernen. Sie lernen, weil sie in die Schule gehen müssen und irgendwann irgendwelche Abschlüsse machen müssen. Sie wollen nicht wirklich Wissen aneignen, sondern eine Zensur erreichen. Sie identifizieren sich nicht mit den Inhalten des Fachs und werden gezwungen, Sachen zu lernen, die sie nie brauchen werden. Von den Lehrplänen müsste man viel abknapsen, denn sie sind total überfüllt. Sie müssten viel freier gestaltet werden - am besten von Schülern und Lehrern zusammen.   

Bildung PLUS: Was ist für Sie eine schlechte Schule? Was ist für Sie eine gute Schule?  

Marcel Pytka: Eine gute Schule ist die derzeit von mir besuchte Schule - die Berufsbildende Schule Fünf in Halle an der Saale. Dort ziehen Schülerrat, Elternrat und Schulleitung an dem berühmten einen Strang, um die Schule gemeinsam zu verändern. Beim Schulprogramm, das sich unsere Schule gegeben hat, sind wir vollkommen in den Prozess einbezogen. So haben wir beim Brainstorming mitgemacht und sind dabei, das Programm aktiv zu verwirklichen. Und das ist sehr wichtig.   

Eine schlechte Schule hingegen ist eine Schule, in der ganz schlechte Lehrer unterrichten, solche, die nicht auf die Schüler eingehen. Dort unterrichten Lehrer, die die Schüler benutzen, um ihr eigenes Ego aufzupolieren, die Schüler mobben, um sich bei der Klassenmehrheit einzuschleimen. Eine schlechte Schule ist von Schülern, Eltern und Lehrern geprägt, die einfach keine Lust haben, sich zu engagieren.  

Bildung PLUS: Was können Sie vom Leben lernen?  

Marcel Pytka: Ich möchte mal Erziehungswissenschaftler werden oder Pädagoge, der im Saft der Erfahrung steht. Ich möchte mich weniger auf die Theorie versteifen. Wichtig ist, das Ergebnis meiner Tätigkeit zu sehen: Nachdem ich etwa ein halbes Jahr im Kindergarten gearbeitet habe, erlebe ich, was aus den Kindern geworden ist. Das gehört dann zum Schönsten, das ich mir vorstellen kann.

Autor(in): Arnd Zickgraf
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Datum: 25.07.2005
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