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17. 02. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Als Ausländer muss man immer bereit sein, 110 Prozent Leistung zu bringen."

Alexandru Dafinca gewinnt zahlreiche Preise bei Naturwissenschafts- und Mathematikwettbewerben

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Alexandru Dafinca

Bildung PLUS: Alexandru, seit wann sind Sie in Deutschland?

Alexandru: Ich kam zusammen mit meinem Vater im Jahr 2002 aus Brasov in Rumänien. Meine Mutter arbeitete schon seit 2000 in Deutschland und wir haben uns entschlossen, dass die Familie wieder vereint werden soll und sind nach Frankfurt am Main umgezogen.

Bildung PLUS: Was waren für Sie die größten Schwierigkeiten hier in Deutschland?

Alexandru: Obwohl ich acht Jahre lang Deutsch als erste Fremdsprache in der Schule in Rumänien hatte, war die Kommunikation das größte Problem beim Anpassungsprozess an die deutsche Kultur und den "deutschen Alltag". Theorie und Praxis unterscheiden sich wesentlich voneinander, vor allem was Sprachen angeht: Das, was ich in Rumänien gelernt hatte, konnte ich in einem normalen Gespräch kaum anwenden und in der Schule fehlten mir viele Fachwörter. Als die Sprachbarriere aber überwunden war, hatte ich keine großen Probleme mehr, mit den kulturellen Unterschieden zurechtzukommen. Frankfurt ist eine kosmopolitische Stadt. Ich wurde von meinen Mitschülern schnell akzeptiert und ich konnte auch sehr schnell Freunde finden, die mir bei dem schwierigen Anpassungsprozess sehr geholfen haben.

Bildung PLUS: Haben Sie Ihre nicht deutsche Herkunft als Defizit verstanden oder sehen Sie Ihr "Anderssein" vor allem als Bereicherung für sich selbst und andere?

Alexandru: Beides. Das "Anderssein", von dem Sie sprechen, hat einen ambivalenten Charakter: Auf der einen Seite spiegeln sich die fehlenden Jahre in Deutschland in den mangelnden Sprachkenntnissen und kulturellen Unterschieden wider. Auf der anderen Seite ermöglicht mir meine nicht deutsche Herkunft einen Blick "von außen" auf die Gesellschaft, in der ich seit einigen Jahren lebe. Die Möglichkeit eines Vergleichs mit früheren Erfahrungen, die ich in Rumänien gemacht habe, kann natürlich in vielen Bereichen vorteilhaft sein.

Bildung PLUS: Wurden Sie in der Schule besonders gefördert, dass Sie so gute Leistungen erzielen?

Alexandru: Die Anforderungen, die bei solchen Wettbewerben an die Teilnehmer gestellt werden sind unwahrscheinlich hoch und gehen weit über den Schulstoff hinaus (Stoff des 1. und 2. Semesters). Deshalb konnte mir die Schule nur ansatzweise helfen, indem sie mir beispielsweise die Labore zum Experimentieren zur Verfügung gestellt hat. Einige engagierte Lehrer waren auch immer bereit, mir bestimmte Fragen zu beantworten und Tipps zu geben. Für den Erfolg bei den Wettbewerben war jedoch ein intensives Selbststudium ausschlaggebend.

Bildung PLUS: Was fehlt im Schulalltag? Was müsste im deutschen Bildungswesen besser werden?

Alexandru: Das Tempo, mit dem der Stoff den Schülern beigebracht wird, muss erhöht werden. Qualität kann nur durch eine gewisse Quantität erreicht werden.
In Deutschland wurde ich mit einem Phänomen konfrontiert, das mir völlig neu war: Unterrichtsausfall. Dass wir auch in meiner Schule in Rumänien von Zeit zu Zeit eine Stunde frei hatten, weil der Lehrer krank war, ist normal, aber in Deutschland ist dieser Prozess inzwischen so weit, dass er fast zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Übung. "Übung macht den Meister", sagte einmal Goethe. Und Übung bedeutet auch Hausaufgaben, die in der Mittelstufe für die Schüler durch ihren reduzierten Umfang und seltenen Auftritt schon einen exotischen Charakter haben. Natürlich will man den Schülern möglichst viel Zeit für Sport und andere Hobbys geben, auf der anderen Seite entstehen dadurch große Wissenslücken, die sich später in der Oberstufe bemerkbar machen und das Tempo, von dem ich früher gesprochen habe, senken.

Bildung PLUS: Wann haben Sie Ihr Interesse für Naturwissenschaften und Mathematik entdeckt?

Alexandru: Das liegt lange Zeit zurück. Schon in Rumänien habe ich an Mathematik- und Naturwissenschaftswettbewerben teilgenommen und dabei die Schönheit dieser Fächer entdeckt. In der Schule wurde ich besonders gefördert, und als ich Erfolge bei solchen Wettbewerben erzielte, war es mir klar, dass ich diesen Weg weiterverfolgen will. Ursprünglich waren es aber die Eltern, die mich in diese Richtung geleitet haben.

Bildung PLUS: Hat sich daraus ein Berufswunsch entwickelt?

Alexandru: In meiner Zukunft wird die Physik mit Sicherheit eine große Rolle spielen. Wahrscheinlich werde ich Physik studieren und danach versuchen, in die Forschung zu gehen. Ob das Grundlagenforschung in z.B. Elementarteilchenphysik oder Forschung in der Industrie sein wird, kann ich noch nicht vorhersagen. Wenn ich in Rumänien geblieben wäre, hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt und mich für eine andere Richtung entscheiden müssen, die mir ein sicheres Einkommen garantiert hätte. In Deutschland kann ich aber meinem Berufswunsch nachgehen.

Bildung PLUS: Welche Rolle spielen Ihre Eltern in Ihrer erfolgreichen Bildungslaufbahn?

Alexandru: Meine Eltern sind beide Ingenieure und schon als ich klein war, konnten sie mir alle Fragen bezüglich Naturwissenschaften beantworten, um meinen Wissensdurst zu stillen. Daraus entwickelte sich eine Vorliebe vor allem für Physik und Mathematik, die sich dann in der Schule entfalten konnte. Von ihnen habe ich auch gelernt, wie man lernt und wie man seine Zeit effizient einteilt.

Bildung PLUS: Welchen Rat können Sie anderen Jugendlichen nicht deutscher Herkunft geben, damit sie ähnlich erfolgreich ihren Weg gehen können?

Alexandru: Wichtig ist, auch in den schwierigsten Momenten sein Selbstvertrauen nicht zu verlieren. Als Ausländer muss man aber immer bereit sein, 110 Prozent Leistung zu bringen. Und auch wenn man am Anfang Schwierigkeiten in der Schule hat und noch keine Freunde, auf die man sich verlassen kann, sollte man die Hoffnung trotzdem nicht aufgeben, sondern weiterkämpfen. Irgendwann wird man dafür belohnt.


Alexandru Dafinca, 17 Jahre, lebt in Frankfurt am Main und geht auf das Carl-Schurz-Gymnasium. In den Jahren 2004 und 2005 hat er insgesamt an vier Wettbewerben erfolgreich teilgenommen. Bei der Europäischen Naturwissenschaftsolympiade der EU-Mitgliedsstaaten (EUSO) hat er als "Physiker" zusammen mit zwei anderen Jugendlichen eine Goldmedaille  errungen. Beim Wettbewerb für Informatik (BWI) hat er in der ersten Runde einen zweiten Preis erreicht. Beim Bundeswettbewerb Mathematik  (BWM) hat er in der ersten Runde einen dritten Preis erreicht und bei der Internationalen Physik Olympiade  (IPhO) hat er dieses Jahr bereits die dritte Runde erreicht, d.h. er ist unter den besten 50 "Physikern" bundesweit. Ob er in die nächste Runde aufsteigt, wird er Mitte Februar erfahren.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 17.02.2005
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