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05. 07. 2001

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Das Potenzial ist noch lange nicht ausgereizt"

Virtuelles Lernen steht erst am Anfang seiner Entwicklung

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Dr. Kathrin Hensge

Forum Bildung: Ist virtuelles Lernen besser als der konventionelle Unterricht?

Hensge: Die Vorteile des virtuellen Lernens sind bekannt: Der Lerner ist unabhängig von Zeit und Raum und kann das Lernen selbst steuern - sowohl in der Tiefe als auch im Umfang. Das sind klare Vorteile gegenüber dem Präsenzlernen, denn das Internet unterstützt den Paradigmenwechsel vom lehrerzentrierten zum lernerzentrierten Lernen.

Forum Bildung: Nach der ersten Euphoriewelle scheinen die unbegrenzten Möglichkeiten aber plötzlich doch nicht mehr so unbegrenzt sein?

Hensge: Am Anfang war man sehr euphorisch, was die Möglichkeiten des Internet anging. Momentan befinden wir uns in einer Konsolidisierungsphase. Die ersten Erfahrungen mit Lernangeboten im Netz waren zwar nicht ernüchternd, haben aber klar die Grenzen des Mediums aufgezeigt. Wir stehen aber noch am Anfang der Entwicklung und das Potenzial ist noch lange nicht ausgereizt. Übrigens braucht auch der Nutzer seine Zeit, sich mit dem neuen Medium anzufreunden. Lernen ist immer ein Prozess, der Eigenmotivation erfordert. Das Internet kann eben auch nur Angebote machen und dort helfen, wo Lernende nicht zum Lernstoff kommen.

Forum Bildung:Die Anonymität beim virtuellen Lernen scheint die Motivation eher zu bremsen als zu fördern?

Hensge: Ich will die Anonymität nicht leugnen, aber sie hat auch Vorteile, die oft nicht genannt werden. Die Anonymität isoliert ja nicht nur, sondern sie schützt auch: Der Computer ist geduldig und er nimmt Fehler nicht übel. Außerdem gibt es viele Menschen, die in einer Lerngruppe gehemmt sind. Viele Lerner beurteilen die Anonymität gar nicht so negativ, wie man vielleicht gemeinhin animmt.

Forum Bildung: Im Netz finden sich Tausende von Angeboten. Lässt die Transparenz nicht sehr zu wünschen übrig?

Hensge: Es gibt keine Regulierungsbehörde oder eine ISO-Norm. Der Nutzer entscheidet. Im Internet setzt sich an Intransparenz das fort, was wir aus der klassischen Weiterbildung schon kennen.

Forum Bildung: Wie würden Sie die Bandbreite der Angebote beschreiben und wohin geht die Reise?

Hensge: E-Learning reicht von isolierten einzelnen Bildungsmaßnahmen bis zu virtuellen Arbeitsgruppen, in denen sich die Mitglieder namentlich kennen, die tutoriell begleitet sind und den Lernern immer jemand zur Seite steht. Jetzt machen wir die ersten Erfahrungen mit virtuellen Zentren oder den Konwledge-Communities. Blended Learning ist das neue Modewort - ein Methodenmix aus E-Learning und Präsenzlernen, das die Stärken aller Lernformen verbindet.

Forum Bildung: Was zeichnet virtuelle Zentren und Knowledge-Communities aus?

Hensge: Virtuelle Zentren bieten mehrere Lernräume an - man kann sich diese Zentren wie eine virtuelle Schule vorstellen, in der Klassenzimmer und Bibliotheken sind. Eine Knowledge-Community geht noch einen Schritt weiter: Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die von ihren Mitgliedern getragen wird. Eine bestimmte Zielgruppe formiert sich in der Knowledge-Community zu einer Interessensgemeinschaft. Die Anonymität des Internets wird teilweise durch die Community aufgehoben und im Mittelpunkt steht der informelle Informationsaustausch: Jeder kennt jeden, man kann chatten, schauen wer online ist und Fragen stellen. Das Lernen selbst ist die eine Achse, der Kontakt- und Informationsaustausch die andere. Ich betreue zum Beispiel im Moment mit Kollegen ein virtuelles Forum (www.foraus.de) zur Unterstützung von Ausbilderinnen und Ausbildern im BIBB, das in diese Richtung geht.

Forum Bildung: Liegt in der internen betrieblichen Weiterbildung, dem Intranet, die größte Verheißung von E-Learning?

Hensge: Das Intranet gehorcht anderen Gesetzen. Die Angebote entsprechen den Interessen der jeweiligen Firma und Firmen geben kein Geld aus für Weiterbildungen, die nichts bringen. Intranet-Angebote sind exakt auf die Mitarbeiter ausgerichtet und können schnell modifiziert werden. Deshalb haben Intranet-Angebote bei der Qualität die Nase vorn. Es ist aber wichtig, dass man im Auge behält, wer sich solche aufwendigen Lösungen leisten kann. Auf jeden Fall keine kleinen Firmen, die weiterhin von Drittanbietern aus dem Internet leben müssen. Das Internet ist wie jeder andere Markt auch - es wird gute und schlechte Angebote geben.

Forum Bildung: Viele Bundesländer experimentieren mit der virtuellen Hochschule. Müssen Studierende künftig nicht mehr auf den Campus?

Hensge:Ein ganzes Hochschulstudium wird online nicht zu realisieren sein. Wie sollen Aufgaben bearbeitet, wie Prüfungen abgenommen werden und wie wird mit Lernschwächeren umgegangen? Es gibt gute Gründe, warum sich Teilnehmer während einer Weiterbildung kennen lernen. Bei jedem Einsatz von E-Learning muss sich eine Frage neu gestellt werden: Welchen Zweck soll es erfüllen und was muss ich dafür opfern?



Benötigen Sie aktuelle Informationen in Ausbildungsfragen, Hilfestellung oder Rat von erfahrenen Ausbilderinnen und Ausbildern, dann wenden Sie sich an foraus.de das virtuelle Forum zur Unterstützung von Ausbilderinnen und Ausbildern im BIBB. Foraus.de - Treffpunkt, Erfahrungsaustausch und Weiterbildung für alle, die an der Ausbildung beteiligt sind. weiter..

Autor(in): Udo Löffler
Kontakt zur Redaktion
Datum: 05.07.2001
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