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05. 07. 2001

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Es gibt noch viel zu tun"

Finnland liegt international in der Weiterbildung vorn

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Maija Rask, Bildungsministerin in Finnland

Forum Bildung: Gesellschaft und Wirtschaft befinden sich in einem rasanten Strukturwandel. Neue Qualifikationen und Kompetenzen sind gefragt. Welche Rolle spielt lebenslanges Lernen bei dieser Entwicklung?

Rask: In Finnland verwenden wir den Begriff "Lebenslanges Lernen" auf zwei Ebenen. Auf der individuellen Ebene bezeichnet er den gesamten Lernbogen von der Kindheit bis zum hohen Alter - und zwar im alltäglichen Leben als auch auf bei formaler und nicht-formaler Bildung. Auf einer eher allgemeinen Ebene steht "Lebenslanges Lernen" als Prinzip für all diejenigen Maßnahmen, die Menschen dazu befähigen ein Leben lang zu lernen. Zudem sollen sie die Möglichkeit haben auf jeder Entwicklungsstufe ihres Leben und in allen Lebenszusammenhängen neue Dinge zu lernen. Der Grund dafür, dass lebenslanges Lernen überall führendes Prinzip in der Bildungspolitik geworden ist, erklärt sich vor allem mit dem permanenten Druck für einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, der durch eine zunehmend globalisierte Wirtschaft und technologischen Fortschritt entsteht.

Forum Bildung: Sehen Sie hier besondere Herausforderungen?

Rask: Es muss dafür gesorgt werden, dass junge Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, über ein ausreichend hohes Maß an Bildung verfügen und fähig sind, lebenslang zu lernen. In Finnland ist es unser Ziel, dass alle jungen Menschen zumindest die Hochschulreife erwerben oder eine entsprechende berufliche Ausbildung erhalten. Ein signifikanter Prozentsatz von ihnen soll entweder weiter an die Universitäten oder zum Polytechnikum gehen. Ein weiteres Ziel ist es, dass die erwachsene Bevölkerung die Möglichkeit erhält, ihre Bildung und ihr berufliches Wissen aufzufrischen. Obwohl wir riesige Schritte in diese Richtung gemacht haben, gibt es noch viel zu tun. Denn, noch einmal, wir betrachten es als wichtig, dass Erwachsene ausreichend Chancen haben, um ihre beruflichen Fähigkeiten zu erhalten und weiterzuentwickeln. Hierbei spielen die Arbeitgeber eine zentrale Rolle. Innerhalb der Regierung ist es wichtig, dass das Bildungsministerium eng mit dem Arbeitsministerium zusammenarbeitet.

Forum Bildung: Wer ist in Finnland an den Initiativen zu lebenslangem Lernen beteiligt?

Rask: Lebenslanges Lernen ist ein sehr umfassender Begriff, so dass die Anzahl der betroffenen Partner auch sehr groß ist. In diesem Kontext möchte ich drei dieser Partner herausgreifen, nämlich die Ministerien, zuständig für Bildung und Ausbildung, besonders die Ministerien für Bildung, Arbeit sowie Soziale Angelegenheiten und Gesundheit; die örtlichen Behörden, die in Finnland für die Bildungsversorgung auf lokaler Ebene verantwortlich sind, sowie verschiedene Nicht-Regierungs-Organisationen, die Bildung und Ausbildung anbieten.

Forum Bildung: Welche Rolle spielen die Regionen?

Rask: Die Verantwortung für die regionale Entwicklung in Finnland obliegt den "Regionalen Councils". Ihre regionalen Entwicklungspläne und Programme fließen mit in die Zuteilung von Bildungsressourcen ein, die von den zentralen Behörden beschlossen werden.

Forum Bildung: Nicht alle Menschen haben den gleichen Zugang zum Lernen. Was können wir tun, um diese Kluft nachhaltig zu überbrücken?

Rask: Der kürzlich erschienenen OECD- Studie zufolge ist die Erwachsenenbildungsbeteiligung in Finnland die höchste in der Welt. Jedoch liegt die Teilnahme bei den Angestellten auf nationaler Ebene dreimal höher als bei Arbeitern. Das Bildungsministerium hat kürzlich einen Beirat benannt, der die Faktoren untersuchen soll, die diese Teilnahme beeinflussen.

Forum Bildung: Gibt es Finanzierungsinstrumente um lebenslanges Lernen zu fördern?

Rask: Lebenslanges Lernen ist ein so umfassendes Konzept dass Finanzierung ebenfalls weit gefasst werden muss. Alle öffentlichen und privaten Leistungen für Bildung und Ausbildung und Einkommenszahlungen während der Aus- und Weiterbildung sind hier eingeschlossen. Angesichts dieser Tatsache ist es nicht möglich, ein spezielles Finanzierungsinstrument allein für lebenslanges Lernen zu erwähnen.

Forum Bildung: Haben Sie eine Schlüsselbotschaft für uns?

Rask: Lebenslanges Lernen geht alle an und wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Gesellschaft fördernde Bedingungen hierfür schafft. Lebenslanges Lernen ist auch eine Freude und ich würde gerne sehen, dass diese Freude von allen geteilt werden kann.


Autor(in): Udo Löffler
Kontakt zur Redaktion
Datum: 05.07.2001
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