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11. 10. 2000

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Alte Führungskräfte haben diese Techniken nie gelernt"

Interview mit Wirtschaftsberaterin Heli Ihlefeld-Bolesch

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Heli Ihlefeld-Bolesch

Forum Bildung: Warum sind Frauen kaum in Führungspositionen?


Ihlefeld-Bolesch:
Man muss zwischen den Top-Positionen und der mittleren und gehobenen Führungsetage unterscheiden. Auf der mittleren Ebene verändert sich die Situation langsam. Gründe dafür, dass wenige Frauen in Top-Positionen sind, gibt es verschiedene: Headhunter, die mehr Männer im Visier haben, oder Chefs, die männliche Ziehkinder haben - Seilschaften eben. Das sind eingefahrene Geleise. Aus diesem Grund sagt man ja auch immer, Frauen sollen sich vernetzen und bietet Mentoring an, damit Frauen in dieses System reinkommen.

 

Forum Bildung: Gibt es außer diesen "externen" Faktoren auch noch andere Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die das begründen können?

 

Ihlefeld-Bolesch: Beim Aufstieg haben Männer die stärkeren Ellbogen, sind stärker karriereorientiert als Frauen, die glauben, sie müssten nur gute Sacharbeit leisten und dann wird man schon erkennen, wie toll sie sind. Oft traut man Frauen diese verantwortungsvollen Tätigkeiten nicht zu, weil sie andere Kommunikationsformen haben. Sie sind kooperativ, fragen viel mehr, und das wird als Schwäche gedeutet, obwohl das neue Führungsqualitäten sind.


Forum Bildung:
Was sind Führungsqualitäten?


Ihlefeld-Bolesch:
Bei flachen Hierarchien müssen Teams gebildet und geführt werden. Die Teamführung muss einen kooperativen Führungsstil haben, Ziele realistisch einschätzen können, Verantwortung delegieren können, gesprächsbereit sein, Einfühlungsvermögen besitzen und alle im Team nach ihren Fähigkeiten mitarbeiten lassen. Die alten Führungskräfte haben diese Techniken nie gelernt.


Forum Bildung:
Ist das ein Problem zwischen alt und neu oder auch zwischen Mann und Frau, weil auch ein junger Mann diese Qualitäten ja mitbringen könnte?


Ihlefeld-Bolesch:
Der Unterschied liegt an der anderen Sozialisation. Frauen sind einfach beziehungsorientierter, während Männer bemüht sind, ihren Claim, ihre Position abzustecken. Durch diese Sozialisation sind Unterschiede von vornherein gegeben, obwohl ich nicht ausschließen will, dass ein junger Mann diese Qualitäten auch hat. Aber ich habe festgestellt, dass Frauen sie einfach öfters mitbringen.


Forum Bildung:
Müssen Frauen nicht auch von den alten Techniken lernen?


Ihlefeld-Bolesch:
Frauen sehen sich oft kritischer, haben ein anderes Gefühl, die Männer nicht nachvollziehen können. Sie fühlen sehr stark mit ihren Konkurrentinnen, wenig mit Karrieristinnen. Deshalb muss man tatsächlich darüber sprechen, wie weit Frauen lernen müssen, sich mehr durchzusetzen und zu solidarisieren.


Forum Bildung:
Ist Macht eine typische Männersache?


Ihlefeld-Bolesch:
Eigentlich ja. Ich will nicht pauschalisieren, aber Männer werden in ihrer Erziehung schon früh darauf konditioniert, bestimmte Positionen zu erreichen. Wenn man Frauen klarmachen kann, dass Macht nicht nur negativ belegt ist, sondern auch positiv genutzt werden kann, sind Frauen mit Sicherheit auch bereit, Macht auszuüben.


Forum Bildung:
In der Wirtschaft ein Umdenken, an den Unis aber nicht?


Ihlefeld-Bolesch:
In der Wirtschaft sehen Geschäftsführer langsam, dass sie mit fähigen Frauen den Geschäftserfolg verbessern können durch Synergieeffekte. Die Universitäten sind ja keinem Wettbewerb ausgesetzt und müssen sich mit den Vorteilen noch nicht auseinandersetzen.


Forum Bildung:
Sind Frauen-Unis die Lösung ?


Ihlefeld-Bolesch:
Die amerikanischen Frauenunis haben tatsächlich Elitefrauen hervorgebracht. Dabei war der Ursprung der Frauenuniversitäten, da Frauen damals noch nicht an normalen Unis studieren durften, überhaupt ein Studium für Frauen zu ermöglichen. Die Tatsache, dass die amerikanischen Universitäten Elite-Frauen hervorbringen, spricht unter anderem auch für eine derartige Einrichtung bei uns.

Forum Bildung: Ist die viel diskutierte Monoedukation ein sinnvoller Ansatz?


Ihlefeld-Bolesch:
In Naturwissenschaften auf jeden Fall. Ich kenne viele Frauen, die in der Technik herausragendes leisten. Alle wurden monoedukativ ausgebildet.

Weitere Infos:
Lilli Cremer-Altgeld hat in Zusammenarbeit mit Heli Ihlefeld-Bolesch und Anne Lipp ein Konzept zum Thema Frauen-Coaching an Universitäten und in Forschungseinrichtungen entwickelt.

Ziele des Seminars: Die Teilnehmerinnen des Coaching-Seminars können sich der eigenen Stärken und Visionen bewusst werden und Methoden kennenlernen, um strukturelle und geschlechtsspezifische Hindernisse zu überwinden.

Ein praxisorientierter Teil des Seminars widmet sich dem Erwerben von strategischer Kompetenz als einer wichtigen Voraussetzung, um den gewünschten Erfolg im Beruf zu haben. Inhalt dieses Seminarteils sind Elemente und Konzepte von strategischer Kompetenz, Strategien zur Planung, Entscheidungsfindung, Durch- und Umsetzung.

  • Lilli Cremer-Altgeld, Markt- und Sozialforscherin, gehört zu den führenden Business Coachs in Deutschland. Zu ihrem Kundenkreis zählen Präsidenten, Bundesminister, Vorstandsmitglieder, Bundestagsabgeordnete ebenso wie international bekannte Wissenschaftler/innen, Künstler/innen und Sportcoachs/Olympiasieger.

     

  • Heli Ihlefeld-Bolesch ist Business Coach und Wirtschaftsberaterin. Nach einer Karriere als politische Journalistin beriet sie Bundestagspräsidentin Annemarie Renger und baute später den Stabsbereich Gleichstellung im Konzern Deutsche Telekom AG auf. Sie ist Mitbegründerin von zahlreichen Organisationen im Bereich Chancengleichheit.

  • Anne Lipp hat als Wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Neuere Geschichte am Historischen Seminar in Tübingen gearbeitet, war Inhaberin der Koordinationsstelle zur Vorbereitung und Beantragung eines Sonderforschungsbereichs und Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungsprojekten. Sie hat soeben ihre Dissertation beendet.

  • Weitere Infos unter LilliCremerAltgeld@t-online.de und Institut für Management und Evolution, Schloss Bedburg, Bedburg/Erft, Telefon 02272-938495.

Autor(in): Udo Löffler
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Datum: 11.10.2000
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