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06. 05. 2004

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Girls` Day grenzüberschreitend

Traunstein und Berchtesgaden gestalten mit Salzburg gemeinsam den Mädchen-Zukunftstag

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Elisabeth Bartsch

Zum vierten Mal fand in Deutschland der Mädchen-Zukunftstag Girls`Day statt. Dabei gab es eine Rekordbeteiligung. Über 111.000 Mädchen informierten sich in mehr als 5100 Veranstaltungen über berufliche Möglichkeiten, insbesondere für technische und naturwissenschaftliche Berufe.
Ursprünglich stammt die Idee des Girls` Day aus den USA, wo der "Take our daughters to work-Day" seit 1993 alljährlich durchgeführt wird. Inzwischen hat diese Idee in mehreren europäischen Ländern Fuß gefasst. Den Girls`Day gibt es in Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich und in der Schweiz, wobei in Österreich der Girls´Day in den Bundesländern unterschiedlich organisiert wird.
Das Ziel ist aber überall gleich: Mädchen sollen sich über die ganze Bandbreite ihrer Berufsmöglichkeiten informieren und jenseits traditioneller Rollenbilder ihre Berufsentscheidung treffen.
Dabei gibt es in Europa zahlreiche Grenzregionen, in denen es durchaus üblich ist, dass im Nachbarland gearbeitet wird. Erstmals wurde deshalb ein grenzüberschreitender Mädchen-Zukunftstag gestaltet: Im Rahmen einer EuRegio-Kooperation hatten Mädchen aus dem Landkreis Traunstein und aus dem Berchtesgadener Land in Bayern die Möglichkeit, einen Tag in einem österreichischen Unternehmen zu verbringen - und genauso konnten Mädchen aus Salzburg Betriebe und Berufe in der bayrischen Grenzregion kennen lernen. Ganz nach dem Motto: "Die Grenzen sind offen - Alles ist machbar, Frau Nachbar`!"

Die Online-Redaktion von Bildung PLUS interviewte dazu Elisabeth Bartsch, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Traunstein.

Bildung PLUS: Sie haben den Girls` Day 2004 erstmals grenzüberschreitend begangen. Wie kam es zu dieser Kooperation mit Salzburg und welche Ziele werden damit verfolgt?

Bartsch: Es ist bereits seit mehreren Jahren ein Anliegen der Agentur für Arbeit Traunstein, Arbeiten und Lernen im Nachbarland Österreich zu fördern und Hürden für Ausbildungsplätze jenseits der Grenzen abzubauen. So erklärte sich die Agentur für Arbeit Traunstein spontan bereit, als Kooperationspartner für einen grenzüberschreitenden Girls` Day aufzutreten. Die Idee des grenzüberschreitenden Girls` Day kam vom Frauenbüro der Stadt Salzburg und dem Büro für Frauenfragen und Chancengleichheit des Landes Salzburg.

Ziel des grenzüberschreitenden Girls` Days ist es,

  1. den Mädchen neue berufliche Chancen und zusätzliche Möglichkeiten der Berufsausbildung im Nachbarland zu eröffnen, um die derzeitige angespannte Ausbildungsmarktsituation zu entschärfen
  2. interessierten Mädchen einen Einblick in den betrieblichen Alltag des Nachbarlandes zu geben
  3. Ressourcen zu sparen, indem auf vorhandene Erfahrungen, Strukturen und das Wissen des Projektpartners zurückgegriffen wird

Bildung PLUS: Wie wurde der Tag konkret gestaltet?

Bartsch: Über 700 Mädchen haben in der gesamten EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein am Girls` Day 2004 teilgenommen. Für die Mädchen boten sich Möglichkeiten:

  • Eltern, Verwandte oder Freunde einen Tag lang mit an den Arbeitsplatz zu begleiten
  • einen Betrieb in der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein zu besuchen
  • den Arbeitsalltag einer Politikerin oder eines Politikers kennen zu lernen

In den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein wurden von 36 Leitbetrieben u.a. folgende interessante Aktionen angeboten:

  • Blick hinter die Kulissen eines Weltmarktführers
  • Besichtigung von Lehrwerkstätten, Fertigungshallen, Konstruktionsabteilungen und Technologiezentren
  • Workshops: Anfertigen von Namensschildern, Zusammenbau eines Computers, Erstellen einer eigenen Homepage, Bearbeitung von Metallteilen, wie Anhänger und Ringe, Bau eines Solarmoduls, montieren von Telekommunikationseinrichtungen
  • Informationen über handwerkliche, technische und IT-Berufe und technische Studiengänge
  • Diskussionsrunden im Frauen-Café mit Mitarbeiterinnen aus technischen Berufen
  • Erfahrungsaustausch und Kontakte mit Auszubildenden

Bildung PLUS: Welche Betriebe und Branchen fanden bei den Mädchen besonders großen Anklang?

Bartsch: Die Möglichkeit des Moduls 1, dass Mädchen ihre Eltern, Verwandte oder Freunde mit an den Arbeitsplatz begleiten, ist bei den Mädchen gut angekommen (346 Teilnehmerinnen von 715). Eine breite Palette von Betrieben der verschiedensten Branchen haben Mädchen in ihre Betriebe eingeladen. Eine Liste der Betriebe ist im Internet unter www.girlsday.info abrufbar. Mädchen interessierten sich vorwiegend für Handwerksbetriebe, Betriebe der Informationstechnologie und der Medienbranche. Besonders großen Anklang fanden Aktionen, an denen Mädchen aktiv teilnehmen, selbst Produkte herstellen und Souvenirs mit nach Hause nehmen konnten.

Bildung PLUS: Wie schätzen sie die Ergebnisse dieses Tages ein und wird es auch im nächsten Jahr einen grenzüberschreitenden Girls` Day geben?

Bartsch: Der Girls` Day 2004 rief bei den Mädchen, Betrieben und Projektträgern eine positive Resonanz hervor. Erste Rückmeldungen der Mädchen ergaben, dass der Tag wertvolle Informationen und Erfahrungen für die Berufsorientierung und Berufswahl vermittelt und der Girls` Day Freundinnen nur weiterempfohlen werden kann.
Die örtlichen Medien begleiteten vielfältige Aktionen. So berichteten die örtliche Presse und regionale Rundfunksender über Aktivitäten in verschiedenen Betrieben.
Im nächsten Jahr wird es in unserer Region wieder einen grenzüberschreitenden Girls` Day geben. Voraussichtlich am 28.04.2005! Die positive Resonanz auf den Girls` Day 2004 ist für das Projektteam eine starke Motivation, den grenzüberschreitenden Girls` Day weiter zu entwickeln.

Bildung PLUS: In Deutschland gibt es viele Grenzregionen. Könnte Ihr Modell nicht auch Vorbild für andere sein?

Bartsch: Das Projektteam hofft, dass der grenzüberschreitende Girls` Day Deutschland/Österreich Vorbild für andere Projektpartner sein kann. Das Projektteam kann auf Grund der diesjährigen Erfahrungen grenzüberschreitende Aktionen nur empfehlen. Für die Mädchen ergeben sich zusätzliche Chancen und Möglichkeiten der Berufswahl. Es sollte jedoch beachtet werden, dass eine entsprechende Strukturierung der Grenzregion (Ansiedlung von Betrieben), eine gleiche Umgangssprache sowie eine Orientierung an den üblichen Verkehrsströmungen oder Tendenzen der Region für das Projekt notwendig sind.


Elisabeth Bartsch ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Traunstein, Bayern

Autor(in): Ursula Münch
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Datum: 06.05.2004
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