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03. 05. 2004

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Unternehmerisches Denken schon so früh wie möglich fördern"

Die Seed-Initiative will den Gründergedanken neu beleben - auch bei Schülern

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Dr. Dirk Kowalski

Das Ziel der Initiative: "Innovated in Germany" soll als neues Markenzeichen das verblasste "Made in Germany" ablösen. Früh übt sich, wer seine Kreativität unternehmerisch umsetzen will. Deshalb unterstützt die Seed-Initiative Deutschland unter anderem auch den Wettbewerb "Jugend gründet" des Bundesbildungsministeriums. Die Online-Redaktion sprach mit Dr. Dirk Kowalski, dem Vorsitzenden der Seed-Initiative, über Innovationen, den Wissenschaftsstandort Deutschland und über die Frage, warum die Marktfähigkeit von Schülerideen nicht Sinn und Zweck des Wettbewerbs "Jugend gründet" sein sollte.

Bildung PLUS: Wie kann ein Unternehmen, das betriebswirtschaftliche Beratung für andere Unternehmen anbietet, auf die Verbesserung schulischer und außerschulischer Bildungsprozesse hinwirken?

Kowalski: Ich würde diese Frage nicht auf Beratungsunternehmen wie Dr. Ebner, Dr. Stolz und Partner beschränkt sehen, sondern möchte sie für Wirtschaftsunternehmen allgemein beantworten: Die Einflussnahme von Unternehmen auf den Bildungsprozess ist sicher grundsätzlich nicht einfach, zumindest, wenn es um die schulische Bildung geht: Dieser Teil fällt ja bei uns nach wie vor unter die Hoheit des Staates bzw. der Länder, so dass die Wirtschaft ihre Wünsche und Vorschläge hier vermutlich nur über Lobbyarbeit in den politischen Meinungsbildungsprozess einbringen kann.

Was den außerschulischen Bildungsprozess angeht, könnten Wirtschaftsunternehmen sicherlich viel mehr bewegen: Gerade bei der universitären Ausbildung würde ich mir wünschen, dass das Studium in Zukunft von einer deutlichen praktischen Komponente begleitet wird - also etwa dass Studenten der Betriebswirtschaft in ihren Kursen regelmäßig bereits an konkreten Projekten für Firmen arbeiten und dabei ihr theoretisches Wissen gleich in die Praxis umsetzen können. Das Gleiche ist für die technischen und einige naturwissenschaftliche Fachbereiche denkbar. Ein solcher Ansatz würde enorme Chancen bieten - die Studierenden würden deutlich praxisnäher ausgebildet, und die Unternehmen bekämen Zugriff auf den aktuellsten Stand der wissenschaftlichen Forschung, beides Grundvoraussetzungen für die von der Bundesregierung geförderte "Innovationsoffensive Deutschlands."

Bildung PLUS: Sie waren an der Bewertung der Businesspläne beim Wettbewerb "Jugend gründet" beteiligt. Hatten Sie den Eindruck, dass einige der Teilnehmer/innen Chancen auf eine wirkliche Umsetzung ihrer Unternehmenspläne haben?

Kowalski: Ja, ich bin zum Beispiel in Kontakt zu einem der Preisträger, der sich zur Zeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhält, wo er die Umsetzung und Finanzierung seiner Geschäftsidee verhandelt. Das Gros der Teilnehmer hat hingegen zwar recht kreative Konzepte entwickelt, die im Markt allerdings vermutlich nicht umzusetzen sind.

Bildung PLUS: Was halten Sie insgesamt von solchen Planspielen und Wettbewerben wie "Jugend gründet"? Können solche Initiativen den Gründergedanken in Deutschland früh etablieren?

Kowalski: Wir von der SEED-INITIATIVE Deutschland e.V. halten den BMBF-Wettbewerb "Jugend gründet" für einen sehr gelungenen Ansatz, unternehmerisches Denken schon so früh wie möglich zu fördern. Es war uns klar, dass viele der Ideen vielleicht nicht wirklich umsetzbar sein würden, aber das ist ja auch nicht Sinn und Zweck des Wettbewerbes. Wir sehen "Jugend gründet" viel mehr als erste Fingerübung der Schüler im Bereich Entrepreneurship. Der Wettbewerb soll Lust machen, nach Ausbildung oder Studium vielleicht einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mit unser Teilnahme und Unterstützung wollen wir den Wettbewerb zum einen um die Erfahrungen aus dem realen Gründungsgeschäft bereichern. Zum anderen wollen wir den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern signalisieren, dass wir sie in ihren Bemühungen wirklich ernst nehmen - tatsächlich wollen wir gerne den einen oder die andere in ein paar Jahren bei einer wirklichen Gründung wieder sehen. Wir glauben also an den Erfolg solcher Wettbewerbe und hoffen auf eine Fortsetzung von "Jugend gründet" in den nächsten Jahren.

Bildung PLUS: Was sind die gröbsten Fehler bei Gründungen? Welche Tipps geben Sie jungen Menschen mit auf den Weg, die ein eigenes Unternehmen gründen wollen?

Kowalski: Die größte Gefahr einer jeden Gründung ist es, dass man zu selbstverliebt ist in die eigene Idee und diese nicht in Frage stellt. Wichtig ist also, dass man die Geschäftsidee gründlich hinterfragt - "warum ist nicht vorher jemand auf diese Idee gekommen", "gibt es wirklich einen Markt dafür", "ist die Idee wirklich so viel besser als bestehende Ansätze, dass Leute dafür Geld ausgeben würden". Daneben muss auf jeden Fall ein Geschäftsplan, ein so genannter Businessplan, erstellt werden. In diesem werden unter anderem die eben genannten Fragen beantwortet, außerdem gehören zumindest eine einfache Gewinn- und Verlustplanung sowie eine Finanzplanung dazu. Für diese Aufgaben stehen Berater zur Verfügung, wie sie sich in der SEED-INITIATIVE Deutschland e.V. organisiert haben. Junge Gründer sollten sich bei den Schritten in die Selbstständigkeit in jedem Falle professionell begleiten lassen. Nicht zuletzt geht es am Ende ja immer auch um die Finanzierung der Geschäftsidee, bei der wir ebenfalls behilflich sind.


Dr. Dirk Kowalski ist Leiter der Unternehmensberatung Dr. Ebner, Dr. Stolz und Partner in Berlin. Studium der Zahnmedizin, Promotion im Bereich Lasermedizin. Tätigkeiten u.a. im Daimler Benz Forschungscenter in Palo Alto/Silicon Valley, Certificate of Corporate Finance in Berkeley, Business Analyst bei der Baader Wertpapierhandelsbank, Vorstand der Life Sciences Venture Capital Firma Medicis AG. Dirk Kowalski ist Mitgründer und Sprecher des Vorstandes der Life-Sciences-Initiative und Sprecher des Vorstandes der Seed-Initiative.

Autor(in): Udo Löffler
Kontakt zur Redaktion
Datum: 03.05.2004
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