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13. 11. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

PISA ist nicht überall

Finnische Lehrer lernen in einer Kölner Schule

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Schulleiter Schäfer begrüßt die neuen Schüler und Schülerinnen im September

Die Pisa-Sieger aus Finnland machen in Köln keineswegs den Eindruck, als wollten sie den deutschen Kollegen Nachhilfe in punkto gutem Unterricht geben. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Berufsbildende Schulen haben auch in Finnland nur bedingt mit dem Glanz von PISA zu tun. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn schwärmte vergangenes Jahr noch von dem tollen Lernklima in finnischen Schulen. Wahrscheinlich keine berufsbildenden Schulen. Der Kölner Schulleiter Bernd Schäfer hat sich in Finnland schon einen Eindruck vor Ort verschafft: "Man muss sich auch verdeutlichen, dass 75 Prozent der Jugendlichen in Finnland Abitur machen und die Berufsschule es dort eben mit den restlichen 25 Prozent Schülern zu tun hat, die nicht zu den Leistungsstarken gehören. Mein Eindruck war, dass die Lernsituation in finnischen Berufsschulen ähnlich ist wie bei uns".

Voneinander lernen wollen die drei berufsbildenden Schulen aus Helsinki, Zaragoza und Köln, die im Rahmen des EU-Programms Comenius eine Schulpartnerschaft eingegangen sind. Didaktische Konzepte, individuelle Förderung und interne Evaluation haben sich die drei Schulen als Arbeitsfelder ins Aufgabenheft geschrieben. Köln ist die erste Station dieses Lehreraustauschs. Nächstes Jahr folgen Helsinki und  Zaragoza. "Der Sinn des Projekts liegt im Erfahrungsaustausch mit unseren deutschen und finnischen Kollegen. Dieser soll uns in erster Linie helfen Schüler besser zu motivieren und ihre beruflichen, persönlichen und sozialen Kompetenzen auszubauen", beschreibt der spanische Lehrer Paco López seine Erwartungen an das Comenius-Projekt.

Motivation von Schülern als Hauptproblem
Ein zentrales Problem, dass alle drei Schulen plagt, da stimmen alle überein, ist die Motivation von schwierigen Schülern für das Lernen. "Wir wollten sehen, wie unsere deutschen Kollegen dieses Problem lösen. Und das haben wir auch getan", resümiert der finnische Lehrer Ari Kallio nach dem zweiten Tag in Köln. Und weil bei diesen Schülern ausgeklügelte didaktische Konzepte oft ins Leere laufen, experimentiert man in Köln nicht nur mit dem Unterricht, sondern auch mit einem Lernumfeld, in dem nicht mehr Bänke, Tische und Tafeln das Klassenzimmer bestimmen. So gestalten Schüler der Malerklassen ihre Unterrichtsräume selbst, arbeiten projektorientiert und können sich in Lernecken zurückziehen. Die Finnen hat vor allem beeindruckt, dass es den Kölnern gelungen ist, die Klassenstärke im Berufsgrundschuljahr von 28 Schülern auf zwei Klassen mit jeweils 14 Schülern aufzuteilen. Und das ohne zusätzliche Lehrer.

Die individuelle Förderung von lernschwachen Schülern ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig. In Zaragoza, so berichtet der Kölner Schulleiter Schäfer, würden Lernschwache in ganz normale Klassen gesetzt und gemeinsam mit den anderen unterrichtet. Dieser Aussage fügt er nichts hinzu, aber es hört sich nicht so an, als wenn ihn das Beispiel zum Nachahmen anregen würde.

Internationale Schulentwicklungsprograme im Kommen
Comenius ist ein Ableger von Sokrates, dem EU-Bildungsprogramm, und zuständig für den Schulbereich. Ein Drittel des gesamten Budgets von immerhin 1,8 Milliarden Euro bis 2006 kommt Comenius zugute. Schulentwicklungsprojekte sind dabei noch die Ausnahme: Von über 200 Comenius-Schulprojekten in Nordrhein-Westfalen fallen nur zehn Prozent in diese Sparte. Der Grund dafür: Die Schulen müssen ein wesentlich anspruchsvolleres Konzept als bei einem Schüleraustausch vorlegen. Ilse Brigitte Eitze-Schütz, die Leiterin des Pädagogischen Austauschdienstes in Bonn, der für Sokrates in Deutschland verantwortlich ist, prophezeit der internationalen Schulentwicklung allerdings eine rosige Zukunft. Schließlich sei die Entwicklung von individuellen Schulprogrammen seit PISA massiv in den Mittelpunkt gerückt. Allerdings müssen für die Teilnahme an Comenius nicht nur konzeptionelle, sondern auch bürokratische Hürden genommen werden. So muss jede Schule bei der Nationalen Agentur in ihrem Land den Antrag stellen. In Deutschland ist dafür der Pädagogische Austauschdienst in Bonn zuständig. Wird der Antrag auch nur bei einer Schule abgelehnt, scheitert das gesamte Projekt.

Ob sich die Erwartungen der beteiligten Schulen erfüllen werden, muss sich erst noch herausstellen. Auch Schulleiter Bernd Schäfer ist nach dem ersten Besuch der finnischen und spanischen Kollegen in Köln skeptisch, ob der Austausch seine Schule voranbringt. Vor allem hätte er sich mehr Feedback von seinen Gästen gewünscht. Ein weiterer Dämpfer war das dürftige Englisch der spanischen Teilnehmer, das Tempo und Qualität des Besuchs ein wenig bremste. "Mal sehen", fügt Bernd Schäfer hinzu, "was wir bei unseren Besuchen in Zaragoza und Helsinki lernen können".

Keine externe Evaluation der Comenius-Projekte
Eine externe Evaluation der gesamten Comenius-Projekte gibt es nicht. Allerdings zeigt sich die Leiterin des Pädagogischen Austauschdienstes überzeugt, dass alle Comenius-Schulen fachlich methodisch, sprachlich und interkulturell von dem Projekt profitieren - auch mit Blick auf die Schulprogramme. "Die Entwicklung von Schulprogrammen kann sehr effektiv dadurch unterstützt werden, dass man sieht, wie das in Schulen in Dänemark, in den Niederlanden und anderen Staaten gemacht wird", erklärt Ilse Brigitte Eitze-Schütz. Der Wille, die eigene Schule voranzubringen, ist in Köln, Helsinki und Zaragoza auf jeden Fall vorhanden.

 

Autor(in): Udo Löffler
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Datum: 13.11.2003
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