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27. 10. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Fördervereine haben noch nicht den Respekt, den sie verdienen"

Auf einem gemeinsamen Bundeskongress von Schulfördervereinen und Schulleitungen soll das Konzept einer betriebswirtschaftlichen Entwicklung der Schulleitungen bekannt gemacht werden

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Wolfgang Suhrmann

Bildung PLUS: Herr Suhrmann, der Bundesverband der Schulfördervereine plant für Anfang 2005 einen gemeinsamen Bundeskongress von Schulfördervereinen und Schulleitungen. Welche Themen werden im Vordergrund stehen?

Suhrmann: Im Vordergrund steht das Konzept zur Entwicklung der Schulen in Richtung auf eine betriebswirtschaftliche Organisation der Schulleitung. Wir haben die Vision, dass Schulleitungen zukünftig aus einer pädagogischen Leitung und einer betriebswirtschaftlichen Führung bestehen. Kaufmännischer Sachverstand, ob aus dem Lehrer- oder Elternbereich soll eingesetzt werden.

Wir wollen keine Privatisierung der Schulen! Es geht ausschließlich um das Einführen von betriebswirtschaftlichen Instrumenten im Schulzusammenhang vor Ort. Es ist wichtig, dass sich betriebswirtschaftliche Elemente in einem sich verselbstständigendem Schulsystem verstärken. Das ist eine notwendige Entwicklung, damit Deutschland den Anschluss an die internationale Bildungssituation findet. In allen Ländern, die in der internationalen Schülervergleichsstudie PISA gut abgeschnitten haben, organisieren sich die Schulen weitgehend selbstständig und tragen in wirtschaftlicher Hinsicht Verantwortung.

Unser Ziel ist es, mit Hilfe des Kongresses dieses Thema in den Vordergrund zu stellen und dabei gleichzeitig den Fördervereinen deutlich zu machen, welche Bedeutung ihnen künftig im Schulzusammenhang zukommen wird.

Bildung PLUS: Wie können Schulfördervereine diesen Prozess unterstützen?

Suhrmann: Fördervereine springen immer wieder für die Schulen ein, wenn es darum geht, finanzielle Notmaßnahmen zu ergreifen oder etwas zu organisieren. Im Gegensatz zu normalstaatlichen Schulleitungen, die über keinerlei wirtschaftliche Ansätze verfügen, haben sie eine Kasse. Dadurch gibt es einen bescheidenen finanziellen Kreislauf an der Schule, der auszubauen ist.

Bildung PLUS: Welche Zielvorhaben verbinden Sie noch mit dem Kongress?

Suhrmann: Der Kongress soll ganz wesentlich dazu beitragen, dass sich das Image der Fördervereine verbessert. Außerdem müssen Fördervereine selber unterstützt werden. Sie sollen eine Struktur bekommen, die sie deutlich stärker auftreten lässt.

Es gibt kaum eine Schule, die nicht irgendwo versteckt und verborgen ein fundamentales Problem hat. Und Fördervereine müssen die Kraft bekommen, dieses Problem im Schulzusammenhang zu benennen und sich dahinter zu stellen und zu sagen: "Wir wollen dieses Problem lösen."

Dafür ist es allerdings erforderlich, dass die Fördervereine die entsprechenden Instrumentarien zur Verfügung gestellt bekommen.

Bildung PLUS: Welche sind das?

Suhrmann: Dies sind überwiegend Verfahren methodischer Natur. Hilfestellungen` wie man einen Förderverein organisiert, wie man aus dem Förderverein ein lebendiges Mitglied im Schulzusammenhang macht oder eine kontinuierliche Zusammenarbeit des Fördervereins mit Eltern, Lehrern und Schülern gewährleistet.

Ein Ansatz geht beispielsweise davon aus, dass eine betriebswirtschaftliche Betrachtung der Schulen auch bedeutet, dass man am Jahresende eine Bilanz zieht. Es gibt aber keine Schulbilanzen. Jeder kleine Betrieb hat eine Bilanz vorzulegen, Schulen nicht. Dabei macht gerade eine Bilanz Aussagen darüber, ob eine Einrichtung Existenzgrundlagen hat oder nicht. In die Bilanz gehören unter anderem die Schülerzahl, der Lehreraufwand, der Aufwand der Ressourcen im Schulgebäude, die künftig zu erwartenden Investitionen. Erst dann kann man anfangen zu steuern und zu sagen, was man an welcher Stelle tun muss.

Bildung PLUS: Und der Bundesverband gibt den Schulfördervereinen diese Unterstützung?

Suhrmann: Das ist ganz eindeutig die Aufgabe des Bundesverbandes. Elternarbeit ist in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern - und man muss es auch deutlich sagen: gegenüber den Schulen der freien Trägerschaft - noch weitgehend unterentwickelt. Die Schulen freier Träger zeigen maßgeblich, dass ein funktionierender Elternförderverein in erheblichem Umfang zum Gelingen des Schulzusammenhanges beiträgt.

Die Kernaufgabe, vor der wir stehen, ist, dass eines Tages in den Schulen ein selbst verwalteter Geldkreislauf entsteht. Dies lässt sich nach unserem Erachten in besonderem Maße über die Fördervereine erreichen.

Bildung PLUS: Wo hilft der Bundesverband noch?

Suhrmann: Fördervereine dürfen nicht in Satzungsangelegenheiten, in Kassenberichten, in Jahresabschlussrechnungen versinken, wertvolle Elternarbeit geht so verloren. Diese Aufgaben übernimmt deshalb der Bundesverband. Er stellt diese Leistungen zur Verfügung, damit die Vereine an ihren Schulen ihre Arbeit machen können und Zeit dazu haben, Netzwerke aufzubauen.

Und er kann im politischen Zusammenhang aktiv werden, in dem er offen sagt, wie er die Dinge sieht. Dies ist wichtig, weil man von außen Probleme oft viel besser beurteilen kann.

Bildung PLUS: Wie viele Eltern engagieren sich in Fördervereinen?

Suhrmann: In der Regel sind es nur ganz wenige. Ein Förderverein hat meist nicht mehr als fünf Mitglieder. Im Privatschulbereich ist es hingegen vielmehr so, dass es kaum einen Elternteil gibt, der sich nicht engagiert.

Wenn sich die Qualität der Schulen verbessern soll, müsste es zukünftig für die Eltern praktisch selbstverständlich sein, einem Förderverein beizutreten. Und zwar zum Wohl der Schule und damit zum Wohl ihrer Kinder und ihrer Entwicklung.

Bildung PLUS: Wollen Sie mit dem Kongress auch Eltern motivieren, sich Fördervereinen anzuschließen?

Suhrmann: Mit dem Kongress wollen wir in erster Linie das Problem ansprechen, dass Fördervereine noch nicht den entsprechenden Respekt haben, den sie verdienen. Es muss ein Zeichen gesetzt werden, damit der Förderverein als notwendiges Instrumentarium der Schulentwicklung anerkannt wird. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass ich als Bundesverband Eltern werbe, dass muss in jeder Schule selbst passieren.

Die Zielsetzung des Kongresses ist, die Initiativkraft anzuregen. Man kann nicht von oben verordnen, dass sich das Schulsystem verbessern soll. So bewegt sich überhaupt nichts. 150 Jahre Schulentwicklung haben dies bewiesen.

Der entscheidende Ansatz ist, die Initiativkraft in den Schulen zu stärken. Nur wenn wir diesen Weg gehen, kommen wir wirklich weiter.

Bildung PLUS: Wer kann an dem Kongress teilnehmen?

Suhrmann: Eigentlich jeder, der an der Entwicklung der Schulen interessiert ist. Selbstverständlich sprechen wir die Politik an, die Verwaltungen, die Schulträger und natürlich in besonderem Maß die Schulleitungen und die Fördervereine. Das allein ist ja immerhin eine beträchtliche Größe.

Bildung PLUS: Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft der Fördervereine?

Suhrmann: Was ich mir persönlich wünsche, ist, dass die Fördervereine den Schulen einen jährlichen Geldkreislauf ermöglichen und verwalten, der in der Größenordnung von zehn Prozent der tatsächlichen Kosten der Schulen liegt. Das ist mein Ziel, und das lässt sich mühelos erreichen, wenn alle an einem Strick ziehen, wie Ergebnisse im Privatschulbereich sowie im Ausland zeigen.

Und ich hoffe, dass Menschen und Einrichtungen, die dieses Konzept unterstützen wollen, sich schlicht und ergreifend mit auf unsere Seite begeben.


Wolfgang Suhrmann, Jahrgang 1943, lebt in Berlin. Der Diplom-Ingenieur ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er engagierte sich mehrere Jahre im Elternvorstand einer Waldorf-Schule und gründete Firmen im Bereich der Datenverarbeitung und des Tourismus. 1999 gründete er die Schulpartner GmbH und einen Verband für Fördervereine (INN-Schul e.V.). Derzeit ist er als Vorstand im Bundesverband der Schulfördervereine tätig.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 27.10.2003
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