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15. 03. 2001

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Da muss die Schule einfach mehr können"

RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel fordert mehr Mut in Sachen Bildung

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Peter Kloeppel

Forum Bildung: Wie kommt jemand, der Agrarwissenschaft studiert hat, zum Journalismus?

Kloeppel: Ich hatte schon während des Studiums vor, meine landwirtschaftlichen Kenntnisse mit Journalismus zu verbinden. Mir war klar, dass ich kein Bauer werden würde. Deshalb habe ich mich dann am Ende des Studiums bei der Hamburger Journalistenschule beworben, dort Journalismus von der Pike auf gelernt. Am Ende dieser Journalistenschulzeit bin ich als Praktikant zu RTL gegangen und als Bonn-Korrespondent eingestellt worden. So bin ich aus der Landwirtschaft in die Politik gerutscht und in der Politik auch kleben geblieben.

Forum Bildung: RTL hat jetzt seine eigene Journalistenschule ins Leben gerufen. Trauen Sie den traditionellen Journalistenschulen und den journalistischen Studiengängen an den Unis nicht mehr zu, den Nachwuchs zeitgemäß auszubilden?

Kloeppel: Ich spreche den anderen ihre Qualifikationen überhaupt nicht ab. Ich bin froh, dass es Universitäten, Journalistenschulen und Volontariate gibt. Aber wir haben festgestellt, dass die Journalistenschulen und die Studiengänge an den Unis sehr stark auf die Printmedien ausgerichtet sind. Wir haben als Fernsehsender andere Anforderungen - besonders technischer Natur und in der Produktion. Deswegen wollen mit der Schule eine Lücke in dem vorhandenen Ausbildungsangebot für Journalisten schließen. Wir gehen mit unserer Journalistenschule einen neuen Weg und ich bin nach den Erfahrungen der ersten Monate auch davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist.

Forum Bildung: Multimedia ist ein gewichtiger Schwerpunkt in der Ausbildung von RTL. Sehen Sie das Fernsehen der Zukunft im Internet?

Kloeppel: Wir legen in der Ausbildung einen Schwerpunkt auf Multimedia, dort entstehen zur Zeit auch viele Arbeitsmöglichkeiten für Journalisten. Und wir konzentrieren uns auch deshalb auf Multimedia, weil die Verschmelzung von Fernsehen und Internet nicht aufzuhalten ist. Egal, welches Medium dann die Informationen übertragen wird, wir wollen die jungen Leute auf diese Entwicklung jetzt schon so gut wie möglich vorbereiten.

Forum Bildung: Online-Journalismus wird oft spöttisch als "Copy and Paste"-Journalismus bezeichnet. Wird diese Form des Journalismus seine Nische finden oder ewig ein Ableger der Printausgaben sein?

Kloeppel: Spiegel-Online ist ja ein Beispiel, bei dem man nicht den Eindruck hat, dass da nur "Copy and Paste" stattfindet, sondern dass da kompetente Journalisten ein gutes Online-Produkt erstellen. Die RTL-Seiten sind ebenfalls redaktionell eigenständige Produkte mit eigenständigen Journalisten. Online-Journalisten haben im Gegensatz zu uns die Möglichkeit, viel mehr Inhalte unterzubringen und anders zusammenzufügen. Das sind wirklich keine Abschreiber.

Forum Bildung: Der Grundstein für die Ausbildung wird in der Schule gelegt. Was muss sich dort verändern, dass junge Leute richtig auf die neue Berufswelt vorbereitet werden?

Kloeppel: Richtig lesen, schreiben und rechnen sollten die Kinder in der Schule schon lernen. Aber es ist auch an der Zeit, die Schulausbildung graduell zu verändern und zu erweitern. In Sachen Computern und Internet beispielsweise muss den Kindern der Zugang erleichtert werden. Kinder haben auch keine Scheu vor der Technik. Computer, Fernsehen und Internet gehören nun mal zur Realität unserer Welt und es bringt nichts, die Kinder davor in irgendeiner Weise abschotten zu wollen. Man muss sie vor bestimmten Inhalten schützen und man muss verantwortungsvoll mit den gar nicht mal so neuen Medien umgehen. Übrigens ist das Elternhaus genau so gefragt, wenn es darum geht, diese neuen Techniken den Kindern zur Verfügung zu stellen und sie damit arbeiten zu lassen. Das kann die Schule nicht alleine leisten.

Forum Bildung: Sie waren ja als Korrespondent für RTL lange Zeit in New York. Können die Deutschen sich an den amerikanischen Schulen noch mehr abgucken?

Kloeppel: Auf jeden Fall. In den USA gibt es an den Schulen so was wie einen "Schulgeist", der erst durch die entsprechenden Angebote entsteht, die nichts direkt mit dem klassischen Unterricht zu tun haben. Das können Sportangebote oder Schulorchester sein, die den Teamgeist fördern oder Theatergruppen, in denen sich junge Menschen auch mal selber ausprobieren können. Oder auch Debattierclubs. Wir lernen ja nicht mehr richtig und haben es wahrscheinlich auch nie gelernt, wie man vernünftig diskutiert und debattiert. Das sind Dinge, die ich an amerikanischen Schulen gesehen habe und von denen ich denke: Kompliment, kein schlechtes Angebot. Da muss die Schule einfach mehr leisten.

Forum Bildung: Sie sind ja mit einer Amerikanerin verheiratet. Ihre Tochter wächst zweisprachig auf. Sollen Kinder schon in der Grundschule eine Fremdsprache lernen?

Kloeppel: Selbstverständlich. Wir leben in einer anglophil geprägten Welt, aber den Kindern gibt man nicht man nicht die Möglichkeit nehmen, möglichst früh - nämlich dann, wenn sie neue Dinge aufnehmen wie ein Schwamm - diese Sprache zu lernen. Und ich sehe ja, wie einfach das bei meinem Kind geht. Ich glaube, dass wir allgemein mutiger werden müssen, wenn es um Inhalte geht, die wir unseren Kindern vermitteln wollen. Wir sollten uns da nicht an Dogmen klammern, die immer auf dem Prinzip basieren: "Das haben wir immer so gemacht, das hat gut funktioniert und das behalten wir auch so bei."

Forum Bildung: Ganztagesschulen sind auch ein Modell, das im Ausland bestens funktioniert und hierzulande heiß diskutiert wird?

Kloeppel: Ich weiß auch nicht, was so schlimm an einer Ganztagesschule sein soll. Sie muss ja nicht bis nachmittags um fünf gehen, aber bis nachmittags um zwei oder drei Uhr, wo auch noch eine Hausaufgaben-Betreuung dabei ist. In Amerika und in anderen Ländern funktioniert das hervorragend. Bei uns scheint es nicht möglich zu sein. Wir müssen einfach mutiger sein - und zwar alle: die Pädagogen, die Eltern und auch die Politik.

Forum Bildung: Ist die Ganztagesschule also die ideale Schule?

Kloeppel: Nein. Sie birgt Chancen, aber auch Risiken und diese darf man dabei nicht vergessen. Eine Gefahr ist, dass Eltern der Schule im Endeffekt alles zu überlassen versuchen. Nach dem Prinzip: "Die Schule ist verantwortlich und ich bin's nicht mehr." Die Ganztagesschule ist kein Allheilmittel, aber zumindest ein Ansatz um mehr Kompetenzen zu vermitteln.

Autor(in): Udo Loffler
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Datum: 15.03.2001
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