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29. 08. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Dringender Forschungsbedarf angemahnt

Studie des DIPF: Ganztagsschule auf dem Prüfstand

Studie in der Internet-Bibliothek

Eine "Bilanzierung der Forschungslage" soll die Studie des DIPF sein. Und diese Lage sieht recht mager aus: Einzelfallstudien, Modellversuche und Sekundäranalysen von Surveys sind das einzige Futter für die Wissenschaftler des DIPF. Aus diesem Material lassen sich aber keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen. Deshalb stellen die Autoren, der Pädagoge Falk Radisch und Prof. Dr. Eckhard Klieme, einen gewaltigen Nachholbedarf in der empirischen Schulforschung fest.

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu fundierten Aussagen ist, dass "die Konfundierung zwischen Formen der Ganztagsbetreuung und an anderen Reformmerkmalen unentwirrbar ist". Es sind einfach so viele Faktoren und Veränderungen in der Schulreform, dass sich nicht feststellen lässt, welche Wirkung auf Grund welcher Veränderung zustande kam. Trotz dieser eigentlich ernüchternden Ausgangslage konnten die Autoren des DIPF einen Dreiklang von Hypothesen aufstellen, die das Gerüst für künftige Forschungen sein können:

Erstens bewirkt die Ganztagsorganisation positive Veränderungen im Bereich der sozialen Integration und des Schulklimas. Das bedeutet eine stärkere Kooperation im Lehrerkollegium oder weniger aggressives Verhalten der Schüler. Beide Gruppen, Lehrende und Lernende, erhalten hier einen Zuwachs an sozialer Kompetenz.

Zweitens lassen sich im Allgemeinen keine Auswirkungen auf das Leistungsniveau der Schulen feststellen, sondern eine "Nivellierung im Leistungsbereich". Im Klartext: Für lernschwache Schüler ist die Ganztagsschule positiv, für sozial besser gestellte Familien eher negativ, da die elterliche Unterstützung am Nachmittag wegfällt. Hier dürfen also nicht nur Schwächen der Schülerinnen und Schüler wirkungsvoll angegangen werden, sondern auch ihre Stärken und Begabungen müssen entsprechend gefördert werden. Auch dafür muss die Ganztagsschule Raum und Zeit geben.

Drittens sind die Auswirkungen von der Schulform abhängig, vom Leistungs- und Motivationsprofil der Schüler, deren sozialen Hintergrund, dem pädagogischen Konzept der Schulen und dem Qualifikationsprofil der Lehrpersonen. Es sind also eine Fülle von Komponenten, die letztendlich zu einer besseren Qualität von Schule führen. Ganztagsschule darf also nicht nur länger dauern, sondern muss zu qualitativen Verbesserungen im gesamtem Bildungs- und Erziehungsalltag führen.

Eine Ursache-Wirkungs-Aussage lässt sich also nur treffen, da sind sich die Autoren Radisch und Klieme sicher, wenn die ganztägige Schulorganisation in quasi-experimentellen Untersuchungen geprüft würde, bei denen der Einfluss weiterer pädagogischer Merkmale systematisch kontrolliert würde - zum Beispiel Reformen in der didaktischen Unterrichtsgestaltung, Auflockerung des 45-minütigen Zeittaktes etc. -, die auch in anderen Schulformen denkbar sind.

Bis dahin muss aus empirischer Sicht die Wirkung ganztägiger Schulorganisation auf die Entwicklung der Schüler als weitgehend ungeklärt angesehen werden - so das Fazit der Studie.

 

Autor(in): Redaktion Bildung PLUS
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Datum: 29.08.2003
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