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17. 04. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Innovativ muss es sein“

Mit neuartigen Unterrichtskonzepten können Lehrerinnen und Lehrer bei „unterricht innovativ“ ihr Image aufbessern

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Logo von "Unterricht innovativ"

Das Lehrerbild in der Öffentlichkeit
Ein Blick in die Presse zeigt, dass ein Großteil der Berichterstattung über Schule und Lehrer negativ ist. Es heißt, Lehrer seien "überfordert", "faul" und total "gestresst", wenn nicht gar völlig "ausgebrannt" und "hilflos". Ähnliches hört man von vielen Eltern. Für sie sind Lehrer "notorische Besserwisser", die "ohne Eigeninitiative" sind und "sowieso machen was sie wollen". Gerne kreiden sie ihnen das Versagen ihrer Sprösslinge an und beschimpfen ihre Inkompetenz und Interessenlosigkeit. Und sogar die Schüler vermissen schließlich den autoritären Lehrer, der gerecht und kompetent den Lehrstoff gut strukturiert, anschaulich und einprägsam vermittelt. Positive Eigenschaften der Lehrer hingegen werden kaum wahrgenommen.
Das war nicht immer so. Noch vor gut 50 Jahren zählte der Lehrer neben Ärzten und Juristen zu den anerkannten Persönlichkeiten der Gesellschaft. Lehrersein war eine Berufung, der Lehrer galt als sittliche und moralische Instanz. Heute zählt er zu den Dauerprestigeverlierern: Nach Umfragen des Instituts für Demoskopie in Allensbach schätzen nur noch 14 Prozent der Bevölkerung seine Arbeit.

Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Erwartung und pädagogischem Selbstverständnis
Dennoch wird von den Lehrern heute mehr denn je verlangt. Der Lehrer wird nicht mehr nur als reiner Wissensvermittler verstanden, sondern soll auch Manager, Organisator, Aufsichtsperson, Psychologe, kurz Erzieher sein. Es scheint vielmehr, als habe sich eine Diskrepanz entwickelt zwischen dem, was Lehrerinnen und Lehrer ihrem Selbstverständnis nach leisten, und jenem, was die Gesellschaft von ihnen erwartet. Ergebnisse eines Forschungsprojektes zum "Lehrerimage", durchgeführt von der LMU München unter Leitung von Dr. Valentin Reitmajer, belegen, dass Lehrer ihre zentralen Aufgaben nach wie vor darin sehen, Schülern Wissen zu vermitteln und ihnen eigenständiges, verknüpftes Denken beizubringen. Stattdessen fordert die Gesellschaft zuerst die Wahrnehmung sozialpädagogischer und erzieherischer Aufgaben.

Lehrerwettbewerbe zur Imageaufbesserung
In Zeiten von TIMSS und PISA versuchen deshalb zahlreiche Initiativen, das Bild des Lehrers in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Der Lehrer als Wissensvermittler wird wieder in den Vordergrund gerückt, ohne deshalb seine sozialpädagogischen Aufgaben zu vernachlässigen. So gibt es bundesweit für Lehrer der Naturwissenschaften, die sich durch besondere Leistungen im Unterricht hervorgetan haben, die von der Gesellschaft deutscher Chemiker ausgeschriebenen Friedrich Stromeyer- und Johann Friedrich Gmelin-Preise. Die MTS Reinhardt GmbH belohnt Lehrer bundesweit für die Einbindung pädagogischer Multimediakonzepte im Unterricht mit einem Förderpreis. Der Adolf-Reichwein-Preis wird vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg gemeinsam mit der "Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam" an Projekte und Initiativen vergeben, die der Verbesserung der pädagogischen Angebote für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Land Brandenburg dienen. Und gesucht werden im ganzen Land schließlich auch "Lehrerinnen und Lehrer des Jahres", die "auch außerhalb der Unterrichtszeiten für ihre Schüler im Einsatz sind" und sich "beispielhaft um die Belange ihrer Schüler kümmern". Ausgeschrieben von der Familienzeitschrift Familie&Co. bzw. vom Magazin "stern" gemeinsam mit der Stiftung "Jugend forscht".

"unterricht innovativ"
Hervorzuheben ist ein neues und derzeit einzigartiges Projekt in der deutschen Bildungslandschaft, das auf die Verbesserung des Unterrichts zielt. Der von der Stiftung Industrieforschung, dem Deutschen Philologenverband (DPhV) und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ausgerufene erste bundesweite Wettbewerb für Lehrer "unterricht innovativ" fragt nach den innovativsten Unterrichtskonzepten, die nachhaltig und nachweisbar zur Verbesserung der Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler beitragen. Alle Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufen können sich bewerben. Die Initiatoren wollen damit "die öffentliche Wertschätzung von Bildung und der Arbeit der Lehrkräfte verbessern" und bundesweit und schulartübergreifend den Lehrer als Wissensvermittler honorieren.

Unterricht anschaulicher machen
"Die eingereichten Unterrichtskonzepte sollen zwar innovativ, müssen aber nicht unbedingt brandneu sein", ermutigt Projektleiterin Dr. Ilona Ruschmeier Interessierte. "Die Konzepte können durchaus zwei, drei Jahre alt sein." Wichtig ist nur, dass neue Methoden wie Teamarbeit, offener Unterricht, Freiarbeit oder kooperatives Lernen an die Stelle der "Lehrervorträge" oder den "fragend entwickelnden Unterricht" treten. Auch der Einsatz von Medien kann zur Anschaulichkeit des Unterrichts beitragen. Darüber hinaus soll der Unterricht von den Fragen und Interessen der Schülerinnen und Schüler ausgehen, eine erkennbare Praxisrelevanz zu ihrem Alltag bzw. zur Berufs- und Arbeitswelt haben und fächerübergreifend oder fächerverbindend sein. Auch sollten mindestens zwei Lehrkräfte maßgeblich in Teamarbeit an der Erstellung und Durchführung des Unterrichts beteiligt sein. Für den Gewinner lockt eine Prämie von 5000 EUR. Veröffentlicht werden aber alle Unterrichtsmodelle, so dass sie von allen Lehrerinnen und Lehrern genutzt werden können.

Für alle Lehrerinnen und Lehrer, die sich von diesem Wettbewerb angesprochen fühlen: Anmeldeschluss ist der 30. April 2003. Hierfür ist allerdings nur ein kurzes Formular auf der Seite "unterricht innovativ" auszufüllen. Die Konzepte selber können bis zum 30.06.2003 eingereicht werden!

Leistung nach außen tragen
Der Wettbewerb "unterricht innovativ" definiert, was heute von einem guten Lehrer und einer guten Lehrerin erwartet wird: Innovation in Unterrichtsgestaltung und Methodik, schülerzentriertes Lernen, Öffnung des Unterrichts und der Schule. Schule soll ein "offenes Haus des Lernens werden". Zahlreiche Lehrer tragen heute bereits dazu bei. Gute "innere Werte" nützen dem Ansehen der Schule und den Lehrern aber nicht viel, wenn sie nicht nach außen getragen werden. Die Schulen selbst sollten deshalb alle Möglichkeiten ausschöpfen, sich in der Öffentlichkeit angemessen zu präsentieren und am Auftritt ihrer Schulen bzw. ihrer Corporate Identity zu arbeiten. Das Sichtbarmachen des Geleisteten nach außen macht nicht nur stolz auf die eigene Schule, sondern erhöht vor allen Dingen auch das Ansehen des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 17.04.2003
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