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27. 01. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Riesiges Fortbildungsprojekt: "Selbstständige Schule NRW"

Fortbildung ist Dreh- und Angelpunkt: Für Lehrende, aber auch für Schülerinnen und Schüler

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Utensilien bei Fortbildung

Kontinuität im Wandel: Fortbildung
Die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel, IGS, nimmt teil an dem Projekt "Selbstständige Schule" und muss viele neue Aufgaben schultern. Sie kooperiert mit über 30 verschiedenen Partnern, vom Bundeselternrat über den Deutschen Gewerkschaftsbund, von Microsoft bis zum "Verein zur Förderung des praktischen Lernens". Sie hat durch die Qualität ihres Schulangebotes eine "hohe Reputation" bei Partnern aus der Wirtschaft: z.B. Deutsche Telekom, Deutscher Herold. Und: Im Rahmen des Modellversuchs "Gemeinsamer Unterricht" integriert sie Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen in Schule und Unterricht.

Funktionen des Unterrichtens und des Managens wechseln sich immer schneller ab. Mehr Freiheit im Handeln und Können ist an mehr Fortbildung gekoppelt. In der Präambel des Kooperationsvertrages zwischen der Gesamtschule, der Stadt Bonn und der Bezirksregierung Köln wird festgelegt, dass Qualifizierung in der ersten Phase hauptsächlich der Weiterentwicklung des Unterrichts diene und des innerschulischen Managements. Nicht nur an den Schulen gibt es Fortbildungsbedarf. Die Partner in den 18 regionalen Steuergruppen müssen fortgebildet werden, die Ansprechpartner in den Bezirksregierungen, in den Schulaufsichtsbehörden, im Ministerium. Das Modellvorhaben "Selbstständige Schule" erweist sich als ein riesiges Fortbildungsprojekt.

Welche Gruppen müssen an der Schule zuerst fortgebildet werden? Zunächst sind da die Projektpartner: Der Schulleiter in seiner neuen Rolle als Dienstvorgesetzter, der Lehrerrat und die schulische Steuergruppe. Direktor Nimptsch hat in den letzten Tagen eine Fortbildung zu Dienstrecht besucht. Thomas Wingenroth, Mathematik- und Religionslehrer, eine Fortbildung zum Thema "Landespersonalvertretung" einschließlich Informationen zu BAT und Stellenausschreibung. Auch die Schüler müssen nach Ansicht von Nimptsch qualifiziert werden. Denn Schülervertreter werden in der Personalauswahlkommission der IGS über die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern mitentscheiden. Dazu müssten sie den "Rechtsrahmen kennen". Bei einer Entscheidung von so hoher Verantwortung müssen sie wissen, "welche Konsequenzen es hat, wenn man eine Lehrerin oder einen Lehrer einstellt oder nicht", so Nimptsch. Die Schülervertreter haben "ganz streng" darauf hingewiesen, dass auch für sie Seminare angeboten werden müssten, sagt Wingenroth.

Selbstständigkeit ist, die Fortbildungen auf sich zuzuschneiden
Klar ist, welche Fortbildungen zu innerschulischem Management und zu Mitbestimmung gebucht werden müssen, weniger klar, welche zu Unterrichtsentwicklung: "Das Ganze ist neu und ein wachsender Prozess. In dem Maße, wo wir in unsere Aufgaben hineinwachsen, wird deutlich, wo unser Defizit liegt und dann werden Fortbildungen punktuell an der Stelle gesucht, wie wir sie brauchen", so Wingenroth. Die Verantwortung für die Auswahl der Fortbildungen liegt in der Lehrerkonferenz. Welche Fortbildungen die Schule benötigt, hängt durchgehend von ihren Schulentwicklungsprojekten ab. Die IGS Bonn-Beuel hat sechs so genannte "Entwicklungsvorhaben".

- Verbesserung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts
- Gesunde Schule
- Partnerschule im KURS-Programm
- Laptops in der gymnasialen Oberstufe
- Gemeinsamer Unterricht
- Schule ohne Rassismus

Geld für Fortbildung wird die Schule in Anlehnung an die Entwicklungsvorhaben in drei Bereichen investieren: Methodentraining, Neue Technologien und Evaluation. Erst wenn die Schulen die Fortbildungen auf ihre Entwicklungsziele hin zuschneiden, können die Ergebnisse im schulischen Alltag umgesetzt und die Qualität des Unterrichts auf Dauer verbessert werden.

Drittelparität: "Wir versprechen uns eine höhere Identifikation mit der Schule"
Die IGS Bonn-Beuel realisiert eine Vision: Unter der "Leitidee der Demokratisierung" versucht die Schule die "parlamentarische Funktion der Schulkonferenz deutlich zu stärken, also die "direkte Teilhabe der Schulgemeinde und ihrer einzelnen Gremien an relevanten Entscheidungen" zu ermöglichen. Das Teilprojekt steht unter der Federführung des DGB-Landesbezirks. Lehrer, Eltern Schülerinnen und Schüler sollen durch "aktives Co-Management" die Schulentwicklung mitgestalten. Dabei kooperiert die IGS mit sechs weiteren Schulen. Im Rahmen der "Solidarpartnerschaft" vermittelt der DGB Referenten und Experten für Unterricht und Projekte und führt halbtägige Seminare zu Mitbestimmung in der Jahrgangsstufe 10 durch. Nimptsch verspricht sich von dem Co-Management eine "höhere Identifikation" mit der Schule. Das Großprojekt "Selbstständige Schule" ist "DAS Mittel, um Schulen zu demokratisieren", sagt Nimptsch.

"Wir müssen die Bereitschaft den Kindern vorleben"
Sind Lehrerinnen und Lehrer gute Schüler, wie ist ihre Bereitschaft, sich fortzubilden?  Nimptsch hält die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer in seinem Kollegium für "vergleichsweise hoch". Die Gesamtschule habe beispielsweise vor kurzem fünf so genannte SMART Boards bestellt, die im Unterricht eingesetzt werden. Die SMART Board-Technologie verknüpft die Schülercomputer mit einer elektronischen Unterrichtstafel, so dass Unterricht interaktiv gehalten werden kann. Kurze Zeit, nachdem der Schulleiter die Schulungstermine für die neue Technik ausgehangen hatte, waren die Plätze schon ausgebucht.

Neben fortbildungswilligen Lehrern gibt es aber auch Fortbildungsmuffel im Kollegium: "Es gibt einen Teil der Lehrer, die sicher in sich selber ruhen und nichts großartig dazulernen wollen", sagt Mathematik- und Religionslehrer Thomas Wingenroth. Lehrer müssten aber Schülerinnen und Schülern ein Vorbild sein. Das Glas ist halb voll: Nach Wingenroth ist mindestens die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer bereit, den Schülern in Sachen Fortbildung ein gutes Beispiel zu geben.

Die Gesamtschule nutzt staatliche Angebote und private, doch am meisten setzt sie auf selbstorganisierte Fortbildung: "Am liebsten nutzen wir Kompetenz, die in unserem eigenen Hause vorhanden ist", sagt Nimptsch. "15-Minuten-Fortbildungen" können jederzeit im Tagesablauf eingestreut werden. Meistens handelt es sich dabei um Computerschulungen. Dabei bringen Lehrerinnen und Lehrer ihre Kenntnisse in der gängigen Software auf den Stand der Zeit, etwa in Powerpoint oder Excell. Bei dieser Organisation muss kein Unterricht ausfallen.


 

Autor(in): Arnd Zickgraf
Kontakt zur Redaktion
Datum: 27.01.2003
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