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14. 07. 2000

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Kongress Forum Bildung - Hans Zehetmair

Kongress setzt Zeichen für innovative Bildungspolitik mit "Börse der guten Beipiele"

Meine Damen und Herren,

dieser Erste Kongress des Forum Bildung hat sich sehr positiv gesteigert. Er bestätigt den eigentlichen Sinn des Forum Bildung, dass wir heute das, was ich am Anfang gesagt habe, in der Tat positiv bilanzieren können: dass vieles an Fachwissen, an pädagogischer Erfahrung, an Begegnung eingefangen werden konnte, das ist das Wertvollste.

Dabei will ich auch sagen, und das ist mein Empfinden als für Wissenschaft, Forschung und Kunst zuständiger Minister, dass der gravierende große Schwerpunkt sich diesmal um den schulischen Komplex herauskristallisiert hat. Das heißt mit anderen Worten, dass wir einen weiteren Bedarf für einen weiteren Kongress zu Fragen der Erwachsenenbildung und Weiterbildung sowie der Internationalisierung, dass wir einen wichtigen Bedarf haben in dem Bereich Wissenschaft und Forschung, der eine große Gelenkstelle ist gemeinsamer Verantwortung von Bund und Ländern und dies mit Blick auf den globalen Markt, auf Europa. So viel als Vorbemerkung.

Ich will in drei Punkten zusammenfassen:

Meine Damen und Herren,

I. Ich möchte zusammenfassen, was ich zum Kongress im Namen des Forum und der Vorsitzenden und als Vorsitzender von gestern und heute sagen möchte und darf:

  • dank der engagierten Grundsatzrede des Herrn Bundespräsidenten,
  • dank der interessanten Einstiegs-Podiumsdiskussion, wo jeder seinen Wunsch äußern durfte, aber insbesondere
  • dank der zahlreichen Impulsreferate und Präsentationen
  • und vor allem dank Ihres engagierten Ringens um neue Wege in den Arbeitsgruppen
hat dieser Kongress einen wichtigen Beitrag für die weitere Arbeit des Forum Bildung geleistet und wertvolle Anregungen und Ideen für die Vorbereitung einer Bildungsoffensive erarbeitet.

Wir werden viele dieser Anstöße, Anregungen und Ideen im Forum Bildung und in seinen Expertengruppen diskutieren und für die Vorbereitung unserer Empfehlungen nutzen, sie aber auch über das Internet und die Dokumentation hinaustragen an eine breite Öffentlichkeit, um damit die Debatte für eine neue Bildungsoffensive zu unterstützen. Ein Zweites:

II. Dieser Kongress stand und steht im Zeichen der guten Beispiele. In den Arbeitsgruppen wurden über 50 gute Beispiele präsentiert und es waren wirklich gute Beispiele darunter, das kann ich sagen, bei dem, was ich ausschnittweise in den 6 Arbeitsgruppen zeitweise hören konnte. 15 davon konnten auch in der eindrucksvollen kleinen Messe näher kennen gelernt werden, die eine Börse der Beispiele war. Ich möchte den älteren und den jungen Leute, die draußen gestern und heute mit viel Engagement standen und mitwirkten, herzlich danken. Dies ist nur ein kleiner Teil des Schatzes, den gute Beispiele für eine neue Bildungsoffensive darstellen.

Gute Beispiele umfassen ein enormes Potential an

  • Ideen und Konzepten für Innovationen in der Bildung,
  • von konkreten Erfahrungen und Ergebnissen zur Verbesserung von Bildungsinhalten, -methoden und -strukturen,
  • alternativen Lösungsansätzen
  • und an Aussagen über Barrieren, die einer breiten Umsetzung von guten Beispielen entgegenstehen.

Lassen Sie mich dazu kurz einen Exkurs machen, der zumindest mein Empfinden ausdrückt, aber wohl auch das Empfinden vieler der hier anwesenden Experten.

Gute Beispiele gibt es zu nahezu allen inhaltlichen, methodischen und strukturellen Fragen, die uns bei der Vorbereitung, der, wie wir es nennen, neuen Bildungsoffensive beschäftigen. Das heißt aber auch, dass wir sehen, allein die guten Beispiele verändern die Landschaft noch nicht.

Wir dürfen daher bei der Konzipierung, der Förderung, Durchführung und Auswertung von guten Beispielen nicht vergessen, dass das Ziel lautet: eine möglichst breite Umsetzung der entwickelten Ideen und der gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse. Ich habe es gestern schon vorsichtig angedeutet, dass man manchmal, ich schließe mich ein, den Eindruck hat in den vergangenen Jahren, dass auch einige Modellversuche Luft rausnahmen und ein Alibi waren - bis hin Alibi für Untätigkeit . Jedenfalls - wir haben genug Beweise, dass man es da und dort besser machen kann. Ein Beweis, dass man weiß, wie man es besser machen könnte, ist aber noch nicht der Beweis, dass man es dann auch in der Breite besser macht.

Somit heißt lernen aus guten Beispielen in besonderem Maße, die Voraussetzungen für eine breite Umsetzung zu erkennen. Dazu gehört es, die von mir genannten Barrieren zu untersuchen, die bisher offensichtlich einer Umsetzung im Wege standen. So hat das Forum Bildung bei der Einstiegsdiskussion zum Themenschwerpunkt "Förderung von Chancengleichheit" festgestellt, dass es zu den diskutierten Defiziten bereits eine Vielzahl von vorliegenden detaillierten Untersuchungen, Modellen und Vorschlägen gibt. Also brauchen wir sie nicht neu zu finden und wieder zu formulieren, sondern wir müssen vor allem die Frage beantworten, welche Barrieren der Umsetzung im Wege standen und entgegenstehen.

Wenn wir uns im Forum Bildung entschlossen haben, in besonderem Maße aus guten Beispielen zu lernen, müssen wir uns fragen, wie wir die Schätze der guten Beispiele heben können:

Zunächst heißt das, diese Schätze bekannt werden zu lassen, sie zu diskutieren. Das heißt: Die Ergebnisse breit zu streuen. Dazu gibt es inzwischen sehr gute Lösungen, Beispiele könnte ich nennen: Ich nenne mal die Datenbanken des Bundesinstituts für Berufsbildung zu Modellversuchen der außerschulischen Berufsbildung. Ich nenne die Datenbank des Deutschen Jugendinstituts zu Jugendprojekten. Beide sind im Internet verfügbar. In dieselbe Richtung geht - das ist meine Hoffnung, eigentlich auch meine Erwartung, das best practice-Center für die Berufsausbildung von benachteiligten Jugendlichen, das vom Bündnis für Arbeit beschlossen wurde. Auch das Forum Bildung hat unmittelbar vor diesem Kongress eine Datenbank der guten Beispiele im Internet gestartet. Diese Datenbank hat vor allem Kurzdarstellungen verfügbar gemacht. Sie soll in Zukunft Hinweise auf gute Beispiele zu den fünf Schwerpunktthemen des Forum Bildung geben, ohne den genannten ausführlicheren Datenbanken Konkurrenz machen zu wollen. Wir wollen, dass diese Datenbanken kompatibel gemacht werden, so dass die Synergieeffekte optimiert werden.

Weiter müssen wir die Voraussetzungen klären, die zu einer besseren Umsetzung von erfolgreichen Beispielen beitragen können. Wir beabsichtigen im Forum Bildung zu Beginn des kommenden Jahres Vertreter der wichtigsten Förderer, Durchführungsträger und Begleitinstitutionen zu einer Tagung über die Bedingungen der Umsetzung von guten Beispielen einzuladen.

Schließlich haben wir im Forum vorgesehen, die künftigen Empfehlungen des Forums durch ausgewählte Beispiele zu illustrieren. Dabei entspricht es der pluralen Zusammensetzung des Forum, dass wir gerade auch an alternativen Lösungsansätzen für die vom Forum diskutierten Kernfragen interessiert sind.

III. Damit komme ich zum dritten Punkt, zu den wichtigen Aussagen dieses Kongresses. Wir werden das, was erarbeitet wurde eingehend im Forum Bildung, in den Expertengruppen des Forums auswerten. Das beginnt bereits im Anschluss an den Kongress mit der fünften Sitzung des Forums. Und wir sind bemüht, dass wir den Kongress natürlich auch rasch dokumentieren, damit die breite Öffentlichkeit von den zahlreichen Anregungen, Ideen und Anstößen profitieren kann. Das werden Sie ja dann auch bekommen. Lassen Sie mich - natürlich mit dem persönlichen Akzent - einfach zehn Aussagen noch formulieren, ein bisschen plakativ:

  1. Bildung hat die Schlüsselrolle für die Zukunft. Deutschland braucht daher eine neue Bildungsoffensive, die wir nur gemeinsam bewältigen können.
  2. Wir müssen nicht unbedingt, das hat der Bundespräsident so formuliert, mehr lernen, sondern anderes Wissen und andere Kompetenzen erwerben oder deutlich gesagt: Fachwissen wird erst durch Schlüsselkompetenzen voll nutzbar.
  3. Lernen des Lernens ist die Voraussetzung für ein lebenslanges Lernen. Die Grundlagen werden bereits im Kindergarten und in der Grundschule im besonderen gelegt.
  4. Das heißt: Frühe individuelle Förderung im Kindergarten und in der Grundschule ist die beste Vorbeugung von Benachteiligungen und erlaubt gleichzeitig ein rechtzeitiges Erkennen und Fördern von besonderen Begabungen.
  5. Technische und inhaltliche Medienkompetenz wird zur neuen Kulturtechnik, die alle beherrschen müssen. Hier dürfen keine neuen Ungleichheiten entstehen.
  6. Die Integration von - wie wir es gestern formuliert haben - Migrantinnen und Migranten muss zentraler Bestandteil der Bildungspolitik werden.
  7. Auch Universitäten und Hochschulen müssen den Grundsatz "fördern statt auslesen" noch stärker akzeptieren: Hohe Abbruchquoten, wie wir sie gestern gehört haben in so einschlägigen Bereichen, können nicht so einfach statistisch hingenommen werden.
  8. Unsere Zukunft hängt entscheidend auch davon ab, dass es uns gelingt, Ausgrenzung zu vermeiden. Wir müssen
    • Schulversagen wirksamer bekämpfen,
    • alles daran setzen, dass möglichst alle Jugendlichen einen anerkannten Ausbildungsberuf und damit eine Aussicht auf einen Arbeitsplatz finden und
    • wir müssen Erwachsenen ohne Berufsabschluss den Weg zur Weiterbildung in besonderer Weise öffnen.
  9. Eine aktive Qualitätsentwicklung unter Einbeziehung aller Beteiligter wird uns helfen, die für die Bildung eingesetzten Mittel optimal zu nutzen.
  10. Der Erfolg der neuen Bildungsoffensive setzt eine Intensivierung der Aus- und Weiterbildung von Lehrenden und Ausbildenden voraus.

IV. Meine Damen und Herren, das Forum Bildung und der Kongress sollen auch zum Ausdruck bringen, dass Demokratie von unterschiedlichen Auffassungen lebt und auf die Parteien und Fraktionen angewiesen ist. Ideologische Grabenkämpfe leisten wollen müssen in der Bildung der Vergangenheit angehören. Denn nur gemeinsam schaffen wir heute die Voraussetzung für eine neue Bildungsoffensive. Dazu brauchen wir gewiss mehr Geld, wir brauchen mehr Effizienz der eingesetzten Mittel und wir brauchen vor allem neue Ideen.

Autor(in): Redaktion Forum Bildung
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Datum: 14.07.2000
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