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09. 08. 2001

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Wir fühlen uns eher gefördert als gebremst"

Die gestufte Lehrerausbildung soll neue Qualitätstandards setzen

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Hartmut Krebs ist Staatssekretär im Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Forum Bildung: Gabriele Behler spricht bei der gestuften Lehrerausbildung von einer "Ausfahrt in die Zukunft". Warum ist die konsekutive Ausbildung besser als das Lehramtsstudium?

Krebs: Das erste grundsätzliche Argument ist ganz einfach: Die herkömmliche Lehrerausbildung ist unbefriedigend. Das zweite Argument ist, dass wir mit diesem Modell eine neue, qualitativ bessere Struktur der Lehrerausbildung schaffen und den Lehrerberuf öffnen und attraktiver machen. Das konsekutive Modell beinhaltet eine Berufsqualifikation, die nicht automatisch auf den Lehrerberuf hinausläuft, sondern viele Möglichkeiten offen lässt. Erst nach dem Bachelor-Abschluss müssen die Studierenden sich entscheiden, in welche Richtung sie gehen wollen.

Forum Bildung: Kritiker dagegen befürchten den Schmalspurpädagogen, weil Bachelor und Master die fachwissenschaftliche Ausbildung und Fachdidaktik mehr trennen als zusammenführen würden. Können Sie diese Kritik verstehen?

Krebs: Die Universitäten haben die Lehrerausbildung nie als integrativen Bestandteil des Studiums ansgesehen und die didaktischen Inhalte nur additiv an das Studium angehängt. Es stimmt nicht, dass in dem konsekutiven Modell die Kompetenzen des Wissenstransfers einfach als Master-Studium angeklatscht werden. Erstens zeichnen sich alle Bachelor-Studiengänge dadurch aus, dass sie übergreifende Vermittlungs- und Kommunikationskompetenzen integrieren. Und zweitens bietet das Master-Studium ein maßgeschneidertes Angebot an Fachdidaktik und Erziehungswissenschaften für Lehrer. Das ist die Chance, einen neuen Qualitätsstandard für die Lehrerausbildung zu entwickeln.

Forum Bildung: Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Lehrerausbildung instrumentalisiert wird. Viele Fakultäten würden flächendeckend Bachelor-Studiengänge einführen, um die Lehrerausbildung zu retten?

Krebs: Nehmen wir das Beispiel der Universität Bochum, die als erste Uni die gestufte Lehrerausbildung einführen wird. Bochum ist seit 1993 in Nordrhein-Westfalen der Vorreiter im konsekutiven Bereich. Aus diesem Grund ist es ja nur konsequent, wenn sie die Bachelor- und Master-Studiengänge auch auf die Lehrerausbildung ausdehnen.

Forum Bildung: Im Gesetzentwurf werden Unis dazu motiviert "unterschiedliche Modelle zu entwickeln". Bochum macht jetzt den Anfang. Gibt es noch andere Unis, die in den Startlöchern stehen und andere Ansätze favorisieren?

Krebs: In anderen Universitäten müssen erst einmal Grundsatzentscheidungen dazu getroffen werden. Allerdings gibt es an mehreren Universitäten wie Düsseldorf, Bonn, Köln, Dortmund und Essen bereits ein großes Interesse. Die Ansätze unterscheiden sich per se schon formal - manche Unis wollen das Lehramtsstudium ersetzen und die anderen die gestufte Lehrerausbildung erst einmal parallel einführen.

Forum Bildung: Nordrhein-Westfalen ist ja schnell vorgeprescht mit der gestufen Lehrerausbildung. Auch andere Bundesländer setzen auf eine Mehrstufigkeit in der Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer. Inwieweit sind die Angebote miteinander vergleichbar?

Krebs: Eine Grundlage sind die Mindeststandards der Kultusministerkonferenz (KMK). Die sollen auch bestehen bleiben - da gibt es zwischen den Bundesländern auch keinen Dissens. Natürlich war das von uns ein sehr deutlicher Vorstoß innerhalb der KMK, aber wir fühlen uns eher gefördert als gebremst. Die anderen Bundesländer werden mitmachen oder erst erst einmal zuschauen. Nordrhein-Westfalen kann in den nächsten Jahren zeigen, ob und wie es geht.

Forum Bildung: Also sind Sie optimistisch, dass es zu länderübergreifenden Verständigungen und Absprachen in der Lehrerausbildung kommt?

Krebs: Ja, da sind wir optimistisch, weil, wie schon gesagt, die Mindeststandards der KMK gehalten werden sollen und wir die einzige Möglichkeit nutzen, um aus dem alten Reformkreis auszubrechen - nämlich mit einem ganz neuen Ansatz.


 

Autor(in): Udo Löfflerr
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Datum: 09.08.2001
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