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18. 06. 2002

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Die Bildungsdebatte"

Gerhard Schröder: "Bildung ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Anerkennung"

"Bildung ist die neue soziale Frage dieses Jahrhunderts"

In seiner Regierungserklärung - die erste eines Kanzlers zu diesem Thema - betonte Gerhard Schröder, dass eine gute Bildungspolitik auf "Leistung und Solidarität" setze und "nicht auf Privilegien durch Herkunft oder den Geldbeutel der Eltern." Gute Bildungspolitik sei die Voraussetzung für gesellschaftliche Gerechtigkeit und der Zugang breiter Bevölkerungsschichten zu Bildungsmöglichkeiten "die wichtigste Form der Zukunftsvorsorge." Daraus leitete er die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform des Bildungssystems ab, zu der die SPD die Richtung vorgegeben habe.

In der Bildungsreform müsse berücksichtigt werden, dass eine Bildung nicht allein fachliche und kognitive Kompetenzen weiterreichen dürfe, sondern dass es auf die Vermittlung von Werten, Normen und Haltungen ankomme, "auf die sich unsere Gesellschaft mit guten Gründen geeinigt hat und auf die unsere Gemeinschaft gebaut ist." Das Schulleben sei derzeit gekennzeichnet von schematischen Abläufen und Stundenplänen und zu geringer fachlicher Überprüfung. Er kritisierte "das zergliederte Bildungswesen" in Deutschland. Es fehle an "klaren und allgemeinverbindlichen Standards für Lernen und Leistung." Das Ziel einer neuen Bildungspolitik müsse seiner Ansicht nach eine Schule sein, die "fördert und fordert, andernfalls entsteht Mittelmäßigkeit."

Die Ergebnisse der internationalen PISA-Studie dürfen nach seinen Worten niemanden gleichgültig lassen. Seiner Ansicht nach seien deutsche Kinder weder dümmer noch lernunwilliger als beispielsweise finnische oder kanadische Kinder, "aber diese Länder haben ihr Bildungswesen beizeiten reformiert - während das deutsche Schulsystem offenkundig nicht in der Lage ist, Förderung und Integration aller Schüler zu gewährleisten." Ein vorrangiges Ziel sei deshalb die verstärkte Einrichtung von Ganztagsschulen, die die Bundesregierung bis 2006 mit vier Milliarden Mark fördern wird. Zusätzlich müssten mehr Integrationsangebote gemacht werden und Bildung früher beginnen. Bildung sei nach wie vor der "Schlüssel zum Arbeitsmarkt und zu gesellschaftlicher Anerkennung".

Natürlich wisse die Bundesregierung, ergänzte Schröder, dass gute Bildung ihren Preis habe. Aber erste Erfolge seien bereits erzielt: ein Bundes-Etat von fast neun Milliarden Euro für Bildung und Forschung, 21 Prozent mehr als 1998. Die Verbesserung der Lehrerausbildung, die Bafögreform, die Schaffung neuer Ausbildungsberufe. Um die Attraktivität der Universitäten zu erhöhen, sei das Dienstrecht geändert und die Ausstattung der Hochschulen verbessert.

Diese Reformen hätten bereits zur Folge, dass Deutschland wieder ein attraktiver Forschungsstandort geworden sei. Und "nach den USA und Großbritannien ist Deutschland mittlerweile das attraktivste Gastland für Studierende aus aller Welt."

"Wir brauchen die Umsetzung der Einsichten in Taten."

Annette Schavan entgegnete, dass es an der Zeit sei, nicht nur bildungspolitisch richtige Einsichten zu verkünden, sondern auch danach zu handeln. Wer "wirklich davon überzeugt ist, dass Bildung und Erziehung so sehr Schlüssel sind, muss auch etwas tun." In ihrer Kritik an der Bildungspolitik der SPD ergänzte sie: "Wir brauchen in Deutschland nicht mehr Papiere, nicht mehr Sachverständige, wir brauchen die Umsetzung der Einsichten in Taten."

Während die unionsgeführten Länder jahrelang für die Teilnahme Deutschlands an internationalen Vergleichsstudien eingetreten seien, hätten sich die SPD-geführten Länder diesem Vorschlag regelrecht verweigert. Die SPD-geführten Länder hätten sogar im Mai noch einen Antrag auf einen nationalen Bildungsvergleich abgelehnt.

Sie kritisierte die Berufsbildungspolitik der SPD, die dazu beitrage, dass die Jugendarbeitslosigkeit zwischen Mai 2001 und Mai 2002 überdurchschnittlich um 15,6 % gestiegen sei.
Sie bemängelte die Hochschulpolitik, die mit der Abschaffung der Habilitation dem Credo der CDU widerspricht: "Wir wollen nicht immer mehr Verbote, wir wollen Spielraum für die Hochschulen." Auch hätte die SPD viele Jahre ein "völlig gebrochenes Verhältnis" zur Hochbegabtenförderung gehabt.

Sie resümierte, dass die CDU ihre Hausaufgaben in der Bildungspolitik gemacht habe: "Wir stecken mittendrin in der Modernisierung - in der Regel mit Ablehnung und Empörung der jeweiligen Opposition." SPD und Bund hinken diesen Anstrengungen eindeutig hinterher.

"Wir haben alle Grund zur Selbstkritik."

Gabriel schließlich forderte ein Ende parteipolitischer Konfrontation. "Wir schwimmen alle unter Wasser und die Debatte geht darum, wer schwimmt einen Meter und wer schwimmt zwei Meter unter Wasser." Er anerkannte, dass im Süden das Leistungsniveau unter Umständen höher sei, diese Länder aber nicht genügend Kinder an dieses Niveau heranführten. Auch verwies er darauf, dass die frühere CDU-geführte Bundesregierung die Ausgaben für Bildung um 700 Millionen Mark gekürzt hatte und Pläne der Union für eine drastische Senkung der Staatsquote darauf hinwiesen, dass CDU und CSU auch künftig wieder an Bildung sparen wollten.

Letzten Endes aber schloss er "haben alle Grund zur Selbstkritik, nicht immer nur die anderen. Am Ende werden wir voneinander lernen müssen."

Auch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn forderte ein Ende des "Hin- und Hergezeiges". Mängel gebe es sowohl in unions- als auch in SPD-regierten Ländern. Jetzt gehe es nicht um "regionale Kirchturmpolitik", sondern vielmehr gelte es eine "nationale Anstrengung" zur Verbesserung des Bildungswesens zu vollbringen, um uns nicht an unseren Kindern zu versündigen. Aus diesem Grund möchte der Bund zum Beispiel auch den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen mit insgesamt vier Milliarden Euro fördern. So könnten bis 2007 10.000 Ganztagsschulen zur Verfügung stehen.

Auch wenn die bildungspolitischen Ziele der Parteien gar nicht so weit auseinander liegen und allen Parteien an einer Veränderung des deutschen Bildungssystems liegt - im Plenum des Bundestages kam die bildungspolitische Diskussion inhaltlich nicht voran.

 

Autor(in): Online-Redaktion
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Datum: 18.06.2002
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