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29. 06. 2017

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Bildung ist unverzichtbar für Entwicklung.“

Die Bildungsagenda 2016 - 2030

Bild

Der Weltbildungsbericht 2016; Quelle: UNESCO

Im September 2015 hat die UN die Agenda „Bildung 2030“ verabschiedet. Sie soll bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern. Doch der Weltbildungsbericht 2016 der UNESCO, die die Maßnahmen koordiniert, schreibt ernüchternde Zahlen.


Auf dem Weltbildungsforum 2000 in Dakar haben sich 164 Länder dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2015 sechs Bildungsziele zu erreichen: den Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung, eine Grundschulbildung für alle Kinder weltweit, die Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen, die Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie die Verbesserung der Bildungsqualität insgesamt. In diesem weltweiten Aktionsprogramm „Bildung für alle“, das von der UNESCO koordiniert wurde, arbeiteten Regierungen, UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und die Zivilgesellschaft zusammen. Ein internationales Expertenteam erstellte im Auftrag der UNESCO den jährlich erscheinenden UNESCO-Weltbildungsbericht, in dem die Fortschritte dokumentiert wurden und aufgezeigt wurde, inwieweit sich die Länder den sechs Bildungszielen angenähert haben. Der Abschlussbericht aus dem Jahr 2015 machte darauf Aufmerksam, dass nur ein Drittel der Weltgemeinschaft die sechs Bildungsziele erreicht hat. Die Welt habe zwar große Fortschritte gemacht hin zu einer „Bildung für alle“, stellte UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova damals fest, aber man sei noch weit davon entfernt, die Ziele von Dakar erfüllt zu haben.

Die neuen Ziele nachhaltiger Entwicklung der UN
Nachfolger des Weltaktionsprogramms „Bildung für alle“ ist die Agenda „Bildung 2030“, bei der ebenfalls die UNESCO federführend ist und die erfolgten Maßnahmen durch einen jährlichen Bericht begleitet. Die Bildungsagenda ist integraler Bestandteil der „Ziele nachhaltiger Entwicklung“ (SDGs -  Sustainable Development Goals), die die Vereinten Nationen im September 2015 bei ihrer Generalversammlung in New York verabschiedet haben, und welche die Millennium Development Goals ablösen. Die SDGs umfassen eine neue weltweite Agenda mit insgesamt 17 Zielen, um Armut und Hunger zu reduzieren, Gesundheit zu verbessern, Gleichberechtigung zu ermöglichen und den Planeten zu schützen. Bildung spielt in den SDGs eine zentrale Rolle. „Bildung ist unverzichtbar für Entwicklung. Sie vermittelt Kompetenzen, um globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, Armut oder Wasserknappheit zu begegnen und das eigene Umfeld nachhaltig zu gestalten“, so Walter Hirche, Minister a.D. und Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Er fordert von Deutschland den Abbau anhaltender Ungleichheiten aufgrund sozio-ökonomischer Herkunft, Migrationshintergrund, Geschlechtszugehörigkeit oder Behinderung.

Die Agenda „Bildung 2030“
Der Aktionsrahmen „Bildungsagenda 2030“ (Framework for Action) soll bis 2030 für alle Menschen eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern. Bei seiner Verabschiedung am 4. November 2015 verständigten sich Bildungsminister aus aller Welt auf zahlreiche Maßnahmen, wie zum Beispiel ein Jahr kostenlose Vorschulbildung für alle Kinder, Professionalisierung und Weiterbildung des Bildungspersonals, eine öffentlich finanzierte Grund- und Sekundarschulbildung und Alphabetisierungsprogramme zur deutlichen Reduzierung des funktionalen Analphabetismus. In der beruflichen Bildung sowie in der Erwachsenen- und Weiterbildung soll stärker den Bedarfen des Arbeitsmarktes entsprochen werden. Allen Frauen und Männern soll ein gleichberechtigter und bezahlbarer Zugang zu qualitativ hochwertiger beruflicher Bildung ermöglicht werden. Die Vergleichbarkeit und Anerkennung von Qualifikationen in der beruflichen Bildung sollen gewährleistet, hochwertige Bildungsangebote zum Fernstudium sowie Lernmöglichkeiten über das Internet gegeben werden.

Qualität und Chancengerechtigkeit stehen bei allen Maßnahmen im Zentrum, wobei Bildung von der UNESCO nicht nur an der Erfüllung von Leistungsstandards gemessen wird, sondern auch an Werte wie Toleranz, Solidarität, Verständnis für den anderen und Achtung der Menschenrechte geknüpft ist.

Der eAtlas bündelt Informationen aus der ganzen Welt
Im Juli 2016 hat das UNESCO-Institut für Statistik (UIS) den ersten UNESCO eAtlas for Education 2030 vorgestellt, der als interaktives Onlineportal statistische Informationen aus der ganzen Welt bündelt und fortlaufend aktualisiert. Benutzer können Datensätze in Form von Exceltabellen oder grafisch anschaulichen Weltkarten zu den Zielen und Implementierungsmechanismen der Agenda „Bildung 2030“ individuell zusammenstellen und Auskunft über Themen, wie die Dauer der Grund- und Sekundarschulbildung oder die Analphabetenrate in den einzelnen Ländern, erhalten.

Der Weltbildungsbericht 2016
Der erste UNESCO-Weltbildungsbericht, der seit Beginn der neuen Agenda veröffentlicht wurde, erschien im Jahr 2016 unter dem Titel „Education for people and planet: Creating sustainable futures for all“. Er nennt ernüchternde Zahlen und Fakten und weist darauf hin, dass bei anhaltenden Trends erst im Jahr 2042 alle Kinder weltweit eine Grundschulbildung erhalten werden. Eine weltweite untere Sekundarschulbildung (in Deutschland Abschluss Sekundarbereich I) wird es voraussichtlich erst 2059 geben, eine weltweite obere Sekundarschulbildung (in Deutschland Fach-/Hochschulreife oder abgeschlossene Lehrausbildung) nicht vor 2084. Auch in Europa und Nordamerika wird es nach aktuellem Stand kein Land bis zum Jahr 2030 schaffen, allen Jugendlichen einen Abschluss im Bereich der oberen Sekundarschulbildung zu ermöglichen, wenn nicht deutlich mehr Geld in Bildung investiert wird. Außerdem bestehen nach wie vor viele Ungleichheiten fast unverändert fort: So schließen zurzeit nur ein Prozent der ärmsten Mädchen und Frauen in ländlichen Gebieten die obere Sekundarschulbildung ab und nur sechs Prozent der Erwachsenen nehmen in den ärmsten Ländern an Alphabetisierungskursen teil.

Bildung spielt die entscheidende Rolle
Dabei könnte selbst ein langsamer Fortschritt im Bildungsbereich in den nächsten 15 Jahren einen erheblichen Einfluss auf die Verwirklichung zentraler Entwicklungsziele der SDGs haben, sind die Autoren des Weltbildungsberichts sicher. Das Erreichen einer universellen oberen Sekundarschulbildung in Entwicklungsländern könnte das Pro-Kopf-Einkommen bis 2030 um 75 Prozent erhöhen, 60 Millionen Menschen den Weg aus der Armut ermöglichen, für eine bessere Gesundheitsvorsorge sorgen und entscheidend zum Bewusstsein über den Klimawandel beitragen – weltweit werden der Klimawandel und weitere Umweltveränderungen lediglich in der Hälfte aller Lehrpläne genannt. Doch die „chronische Unterfinanzierung“, bemängeln die Autoren, behindern diese Fortschritte im Bildungsbereich. Sie empfehlen deshalb eine Erhöhung der Ausgaben um ein Sechsfaches, will man die Ziele der Agenda 2030 erreichen.




Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 29.06.2017
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