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27. 04. 2017

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Talente und Interessen entdeckt man oft durch Ausprobieren.“

Viele Mädchen kommen erst durch den Girls'Day auf die Idee, technische Berufe in ihre Berufswahl mit einzubeziehen

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Es ist wieder soweit. Es ist „Girls'Day –  Mädchenzukunftstag“ und zahlreiche Büros, Labore und Werkstätten öffnen ihre Türen für junge Mädchen ab der 5. Klasse. Zum ersten Mal seit dem Start des Aktionstages im Jahr 2001 gibt es bundesweit mehr als 10.000 Angebote.

Der „Girls'Day – Mädchenzukunftstag“

Seit dem Jahr 2001 können Mädchen ab der 5. Klasse an jedem letzten Donnerstag im April einen Tag lang Unternehmen, Betriebe und Hochschulen besuchen und dabei Ausbildungsberufe und Studiengänge in Informationstechnik und Datenverarbeitung, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennenlernen – Bereiche, in denen Frauen bisher selten vertreten sind. Nach wie vor wählt rund die Hälfte der Mädchen ihren Beruf aus nur zehn verschiedenen „typisch weiblichen“ Ausbildungsberufen im dualen System aus, darunter ist kein einziger naturwissenschaftlich-technischer. Damit schöpfen sie ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll aus, obwohl gerade in den naturwissenschaftlich-technischen Branchen qualifizierter Nachwuchs fehlt. Der „Girls'Day – Mädchenzukunftstag“ ist ein bundesweites Berufsorientierungsprojekt für Schülerinnen, das ihnen solche Berufe nahe bringt. Girls'Day-Berufe sind Berufe, in denen nur wenige Frauen eine Ausbildung machen oder arbeiten, wie Feuerwehrfrau, Dachdeckerin, Bäckerin oder Ingenieurin.

Der „Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag“ wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Koordiniert wird er auf Bundesebene vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. Vertreterinnen und Vertreter der Aktionspartner sowie die Kultusministerkonferenz (KMK) bilden die Lenkungsgruppe. Gemeinsam mit der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK) begleitet sie das Projekt inhaltlich und organisatorisch.

Erste Berufserfahrungen sammeln

Seit dem Start der Aktion haben etwa 1,7 Millionen Mädchen teilgenommen. Allein im Jahr 2016 erkundeten rund 100.000 Mädchen die Angebote in Technik und Naturwissenschaften. Dabei erleben sie, wie spannend eine solche Arbeit sein kann. Sie gewinnen kleine Einblicke in den Alltag der Betriebe und erproben ihre Fähigkeiten praktisch. Außerdem lernen sie weibliche Vorbilder kennen, können Fragen stellen und Kontakte knüpfen. An den Schulen bekommt die genderspezifische Berufsorientierung immer mehr Gewicht. Gaben 2004 nur 21,1 Prozent der befragten Schulen bei einer Umfrage an, dass ihr Schulprofil einen Schwerpunkt zur Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler mit besonderer Berücksichtigung genderspezifischer Aspekte beinhaltet, lag die Zahl im Jahr 2015 bei 44 Prozent. Der Girls'Day hat positiven Einfluss auf das Image von technischen Berufen und ist bei den Teilnehmerinnen außerordentlich beliebt. Evaluationsergebnisse belegen, dass er die Schülerinnen tatsächlich dazu motiviert, technische, informationstechnische, handwerkliche oder naturwissenschaftliche Berufe zu ergreifen. Fast 40 Prozent der befragten Mädchen können sich vorstellen, in dem Unternehmen oder der Organisation, wo sie den Girls'Day erlebt haben, später ein Praktikum oder eine Ausbildung zu machen. „Talente und Interessen entdeckt man oft durch Ausprobieren. Viele Mädchen kommen erst durch den Girls'Day auf die Idee, technische Berufe in ihre Berufswahl mit einzubeziehen", berichtet Ute Hagmaier, Referentin für Umwelt und Bildung beim azv Südholstein. Beim Abwasser-Zweckverband Südholstein (azv) können Mädchen am Girls'Day die vier Ausbildungsberufe Fachkraft für Abwassertechnik, Industriemechanikerin, Elektronikerin für Betriebstechnik und Fachkraft für Lagerlogistik kennenlernen. In den Maschinen- und Elektrowerkstätten machen sie dabei erste Schweiß- und Lötversuche, im Klärwerk begutachten sie Abwasserproben am Mikroskop und finden heraus, wie die unterschiedlichen Reinigungsstufen funktionieren. Und im Magazin erfahren sie, welche logistischen Arbeiten notwendig sind, um den Klärwerksbetrieb aufrecht zu erhalten.

Der „Boys’Day – Jungen-Zukunftstag“
Ähnlich sieht die Situation bei den Jungen aus. Auch sie entscheiden sich oft für klassische Männerberufe wie Kfz-Mechatroniker oder Industriemechaniker. Dabei gibt es noch so viele andere Berufsfelder, in denen männliche Fachkräfte und Bezugspersonen gesucht werden und sehr erwünscht sind, wie zum Beispiel im sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich. Um Jungen die Gelegenheit zu geben, diese Berufe auszuprobieren, gibt es seit 2010 ebenfalls am letzten Donnerstag im April den Boys’Day. Der Name wurde in Anlehnung an den Girls'Day gewählt. Die Schüler können am Boys’Day auch an pädagogischen Workshops teilnehmen, in denen männliche Rollenbilder, Lebensentwürfe und das Modell des männlichen Alleinverdieners thematisiert und diskutiert werden und in denen sie soziale Kompetenzen wie Team- und Konfliktfähigkeit stärken können. Seit 2011 haben fast 194.000 Jungen an mehr als 31.000 Boys’Day-Angeboten teilgenommen. Am Boys’Day 2016 waren es knapp 30.000 Jungs und mehr als 6.100 Angebote.

Der „Boys’Day – Jungen-Zukunftstag“ ist eine Aktion des bundesweiten Netzwerks und Fachportals zur Berufswahl und Lebensplanung von Jungen „Neue Wege für Jungs“. Das Fachportal richtet sich an Lehrkräfte, soziale Fachkräfte, Berufsberatende, Personal-, Bildungs- und Ausbildungsverantwortliche und unterstützt Initiativen, die Angebote zur Erweiterung der Berufswahl, zur Auseinandersetzung mit Rollenbildern und zum Ausbau sozialer Kompetenzen für Jungen organisieren. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Ein Blick hinter die Kulissen
Boys’Day-Berufe sind Berufe, in denen maximal 40 Prozent Männer eine Ausbildung machen oder arbeiten. Beim Boys’Day können die Jungen in diesen Berufen erste Erfahrungen sammeln und feststellen, dass es abseits der traditionellen Männerberufe jede Menge anderer interessanter Jobs gibt, wie Altenpfleger, Friseur, Grundschullehrer, Zahntechniker oder Florist. Im vergangenen Jahr durften im Bochumer STARLIGHT EXPRESS-Theater 20 Schüler der fünften bis zehnten Klasse beim Boys’Day den Berufsalltag hinter den Kulissen kennenlernen. Dabei konnten sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Schulter schauen, bekamen aber auch die Gelegenheit, selbst Hand anzulegen: in der Kostümschneiderei, beim Bühnenbild oder bei den Durchsagen. Die Jungen waren begeistert und wollen auch in diesem Jahr in einen Boys’Day-Beruf hineinschnuppern.



Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 27.04.2017
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