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14. 07. 2016

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Die ‘Erweiterten Lernwelten’ verknüpfen die digitale und die analoge Welt“

Volkshochschulen kommen in der digitalen Gesellschaft an

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Die „Erweiterten Lernwelten“ (ELW) bilden die Grundlage für neue Lehr- und Lernsettings innerhalb der deutschen Volkshochschulen. Mit Hilfe des Internets und zugunsten der Lernenden wird der klassische Unterricht an Volkshochschulen (VHS) inhaltlich, sozial und räumlich ausgeweitet.


Sechs überregional engagierte VHS-Mitarbeiter/-innen – Christoph Köck (Hessischer Volkshochschulverband), Nina Oberländer (Bremer Volkshochschule), Mark Stocksmeyer (Volkshochschule im Kreis Herford), Joachim Sucker (Hamburger Volkshochschule), Beatrice Winkler (Volkshochschule Karlsruhe) und Stefan Will (Volkshochschule Landkreis Fulda) – trafen sich seit 2013 regelmäßig, um über die Herausforderungen des Web 2.0 und Möglichkeiten des Online-Lernens für die Volkshochschulen zu diskutieren. Sie suchten Antworten auf die Fragen: „Wie können Volkshochschulen die Vielfalt an Informations- und Lernmöglichkeiten des Web 2.0 nutzen?“ und „Wie können sie die Möglichkeiten des Netzes mit den Möglichkeiten des Präsenzangebotes – das Digitale mit dem Analogen – verbinden?“.

Der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) wurde auf die Gruppe aufmerksam und beauftragte sie, ein Konzeptpapier über das Online-Lernen an Volkshochschulen zu verfassen. Aus dem Konzeptpapier „Erweiterte Lernwelten für Volkshochschulen in Deutschland” wurde zwei Jahre später das „Strategiepapier ‘Erweiterte Lernwelten’ des DVV“, dessen Umsetzung in den Volkshochschulen seit März 2016 beschlossene Sache ist.

Strategiepapier „Erweiterte Lernwelten“
In dem Konzept werden die Lernenden in den Mittelpunkt gestellt und die analoge und die digitale Welt miteinander verknüpft. Der klassische Unterricht an Volkshochschulen wird mit Hilfe des Internets und zugunsten der Lernenden inhaltlich, sozial und räumlich ausgeweitet: Alle Orte mit Netzanbindung werden zu Lernorten, Lernsettings sind durch den Einsatz von Online-Lernspielen nicht mehr zeitgebunden, klassische Lerninhalte werden aufgebrochen und Teilnehmende zu Wissensproduzenten und Lerngestaltern, die Lernbausteine sowohl im Web als auch in der analogen Welt finden, diese in Gruppenarbeit anwenden, Kursthemen und Aufgaben eigenständig entwickeln und ihren persönlichen Lernfortschritt selbst verantworten. Lehrende agieren als Lernwegbegleiter in der Rolle von Lernscouts bzw. Lernmoderatoren. Durch die Vernetzung mit anderen Lerninteressierten finden sich Gleichgesinnte, die in einer rein analogen Unterrichtsumgebung nicht oder nur mühsam zu entdecken wären. Durch die Verbindung von virtuellem Wissenserwerb und Präsenzphasen bekommen außerdem auch diejenigen einen Zugang zu Volkshochschulen, die das Angebot bisher nur im geringen Umfang nutzen konnten. Die Autorinnen und Autoren sind sicher: Volkshochschulen werden mit „Erweiterten Lernwelten“ ihrem Auftrag, „gleiche Rechte für Bildung“ durchzusetzen, eher gerecht.

Als Lernmaterialien empfehlen sie insbesondere „Open Educational Resources“. Frei zugängliche Plattformen wie Wikipedia oder DVV-Plattformen wie „ich-will-lernen.de“, die Europaeana, Sprachenblogs und Lernkanäle auf verschiedenen Audio-, Video-, Foto-und Literaturplattformen sind prädestiniert dafür, eine erweiterte Lernpraxis zu unterstützen. Denkbar wäre nach Ansicht der Autoren auch der Einsatz in sogenannten „Flipped Classrooms“, ein Konzept, das versucht, die Aufnahme von instrumentellem Wissen im Lernprozess weitgehend übers Internet zu gewährleisten und den eigentlichen Verstehensprozess in den Präsenzunterricht zu verlagern. Die „Erweiterten Lernwelten“ könnten an allen Volkshochschulen angeboten werden. Hauptaufgabe der Kursleiter wäre in diesem Fall, die geeigneten Lernmaterialien herauszufiltern und personalisiert zu gestalten.

Beispiele aus der Praxis
Einige Projekte experimentieren bereits mit online gestützten Lernformaten. So gibt es Lernplattformen oder aufbereitete Lerninhalte einzelner Landesverbände (LV) wie zum Beispiel die Ilias-Lernplattform des LV Baden-Württemberg, die vhs-freelearning.de des LV Bayern, die online-educational-skills.de des LV Hessen oder die Xpert-Business-Contents des LV Sachsen. Auch haben sich einige Volkshochschulen (und Landesverbände) zusammengeschlossen und mit MOOCs gearbeitet. Herausgekommen sind die Initiativen vhsMooc, vhsStrickMooc, ichMooc, vhsMooc2 sowie der vhsTalk. 2014 und 2015 fanden „vhsBarcamps“ in Köln und Leipzig statt, die das Lernen mit digitalen Medien in den Fokus nahmen. Ein drittes Barcamp wurde im April 2016 in Hamburg durchgeführt. Mehrere Landesverbände bieten bereits Fortbildungen für Kursleitende und VHS-Mitarbeitende im Bereich Digitales Lernen an.

Um diese Praxis zu erweitern, wird in dem Strategiepapier die Bildung von „Digicircles“ ‒ kleinen regionalen Volkshochschul-Netzwerken ‒ vorgeschlagen, die Freiräume zum Experimentieren schaffen, „Erweiterte Lernwelten“ umsetzen und das Gelernte im Netzwerk teilen. Zudem wird die Errichtung einzelner „Leuchttürme“ empfohlen, die als übergreifende Projekte die analoge Lernwelt in den Volkshochschulen digital erweitern sollen.

Ausbau des VHS-Portals
Zur Unterstützung wird das zentrale VHS-Portal ausgebaut, das eine technische Infrastruktur für alle am Lernprozess Beteiligten bildet. Mitarbeitende und Kursleitende können sich darüber fachlich austauschen und Lerninhalte zur Verfügung stellen. Es bietet außerdem eine zentrale Informations- und Suchfunktion zu allen VHS-Angeboten, eine Oberfläche mit gemeinsam nutzbaren Werkzeugen für die wichtigsten erweiterten Lernformate (MOOCs, Webinare, Virtuelle Klassenzimmer etc.), eine Mediathek, einen Lernressourcen-Speicher, einen Content-Server sowie eine Verknüpfung zu den großen Social-Media-Kanälen Facebook und YouTube. Die technische Beratung und Umsetzung liefert eine weitere zentrale Supportstruktur. Als Partner begleiten das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung, die Bertelsmann-Stiftung, die telc, das Grimme-Institut sowie fachlich ausgewiesene Hochschulen diesen Entwicklungsprozess der Volkshochschulen.

Diskussionsplattform für gemeinsame Projekte

Die Bundesregierung hat mit der digitalen Agenda 2014 bis 2017 eine Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft angekündigt. Schulen, berufliche Bildung und Hochschulen haben in den vergangenen Jahren ihre Digitalisierung mit Hilfe öffentlicher Förderung maßgeblich voranbringen können. Die Verfasser des Strategiepapiers fordern, dass Bund und Länder nun die Weiterbildung in den Fokus nehmen. Mitte Februar 2015 gründeten sie in Frankfurt am Main den Verein „Erweiterte Lernwelten e.V. ‒ VHS in der digitalen Gesellschaft“ mit dem Ziel, die Volkshochschulen zusehends in der digitalen Gesellschaft zu verankern. Der Verein unterstützt die Volkshochschulen dabei, online gestützte Lernszenarien zu entwickeln und umzusetzen. Er informiert in Newslettern zu Themen der digitalen Entwicklung und setzt sich in seinem Blog mit Einzelthemen aus dem Bereich digitales Lernen auseinander. Eine Moodle-Plattform und die Möglichkeit zur Durchführung von Videokonferenzen erleichtern den Austausch der Vereinsmitglieder und gestalten die Kommunikation persönlicher.

Auf dem Volkshochschultag 2016 im Juni in Berlin zum Thema „Digitale Teilhabe für alle“ wurden die Inhalte des Strategiepapiers erstmals aufgegriffen und vorgestellt. Seit 2016 gibt es auch einen Referenten für „Erweiterte Lernwelten“, zwei weitere Stellen sollen eingerichtet werden. Der Startschuss für das Entstehen und Ausprobieren der „Erweiterten Lernwelten“ ist gefallen.

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 14.07.2016
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