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28. 04. 2016

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Der Girls' Day ist die ideale Plattform, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Mädchen gewinnen Einblicke in „typische Männerberufe“

Bild

Girls' Day im Fraunhofer IZS; Quelle: Clemens Hess, Rainer Bez; Lizenz: CC BY-SA 3.0

 

Es ist wieder soweit! Es ist „Girls' Day – Mädchen-Zukunftstag“. Seit 2001 findet der Aktionstag an jedem vierten Donnerstag im April statt! Das bedeutet: Unternehmen, Betriebe und Hochschulen in ganz Deutschland öffnen einen Tag lang ihre Türen für Schülerinnen ab der 5. Klasse. Die Mädchen lernen dort Ausbildungsberufe und Studiengänge in IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennen, wie Bauingenieurin zum Beispiel oder Elektroinstallateurin. Branchen und Berufe, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind.

Der „Girls' Day – Mädchenzukunftstag“
Viele Mädchen verfügen zwar über eine gute Schulausbildung und einen guten Abschluss, die meisten von ihnen entscheiden sich aber nach wie vor für einen von zehn „typisch weiblichen“  Ausbildungsberufen. Unter diesen ist kein einziger naturwissenschaftlich-technischer zu finden. Damit nehmen sie sich selbst die Chance auf einen interessanten und sicheren Job in einer zukunftsträchtigen Branche – der die Fachkräfte ausgehen. Der Girls' Day macht die Mädchen erfolgreich auf diese Möglichkeiten aufmerksam: Evaluationsergebnisse bestätigen, dass der Girls' Day positiven Einfluss auf das Image von technischen Berufen bei den Teilnehmerinnen hat. Innerhalb der letzten fünfzehn Jahre sind leichte Zuwächse von Frauen in „typischen Männerberufen“ wie Bäcker oder Lackierer zu verzeichnen.

Am Girls' Day erleben die Schülerinnen, wie spannend die Arbeit in diesen Branchen ist. Sie gewinnen einen kleinen Einblick in den Alltag der Betriebe und in ihre eigenen Fähigkeiten, außerdem erhalten sie die Möglichkeit, mit weiblichen Vorbildern zu sprechen und Kontakte zu knüpfen. Schon einige Mädchen haben durch den Girls' Day einen Ausbildungsplatz gefunden oder sind auf einen spannenden Studiengang gestoßen, für den sie sich später entschieden haben. Seit dem Start im Jahr 2001 haben bundesweit etwa 1,5 Millionen Mädchen teilgenommen. Im Jahr 2015 erkundeten rund 103.000 Mädchen Angebote in Technik und Naturwissenschaften. Der Girls' Day wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Viele Partner unterstützen das Projekt. Koordiniert wird es auf Bundesebene vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.

Startschuss im Bundeskanzleramt
Jedes Jahr lädt Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Tag vor dem Girls' Day traditionell zur Auftaktveranstaltung ins Kanzleramt ein. Dort erkunden 24 Berliner Schülerinnen – jeweils acht Mädchen der Klassenstufe 9 aus drei besonders engagierten Berliner Schulen – mit der Bundeskanzlerin, die selbst Diplom-Physikerin und promovierte Naturwissenschaftlerin ist, einen Technik-Parcours. Die langjährige Girls’ Day-Aktionspartnerin Initiative D21 organisiert die Veranstaltung mit Mitgliedsunternehmen und -institutionen, die sich zuvor dafür beworben und qualifiziert haben. Dieses Jahr sind das Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern (DVZ), das Hasso-Plattner-Institut (HPI), Intel, King, Nokia, die Techniker Krankenkasse sowie der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) dabei und richten gemeinsam mit der Bundespolizei den Technik-Parcours aus. Die Mädchen besuchen im Rotationsprinzip verschiedene Stationen, bei denen sie einen praktischen Einblick in unterschiedliche MINT-Berufe erhalten: Bei King beispielsweise lernen sie zusammen mit Game Designer/inn/en ein Level zu programmieren und zu analysieren. Beim HPI wird ihnen der Beruf der IT-Sicherheitsingenieurin aufgezeigt und bei Nokia erleben sie in Rollenspielen die Tätigkeiten einer Mitarbeiterin im technischen Service, einer Security Managerin und einer Netzwerk-Managerin kennen.

Unternehmen und Betriebe öffnen ihre Türen

Bundesweit sind beim Girls' Day dieses Jahr wieder Tausende Unternehmen, Betriebe und Organisationen vertreten: Über 9500 Angebote verzeichnet der Job-Radar auf der Website. Viele von ihnen sind schon seit Jahren aktiv. Die Adam Opel AG beispielsweise bietet seit 2007 jährlich rund 170 Mädchen die Möglichkeit, in Rüsselsheim technische Berufe kennenzulernen und sich darin zu erproben. Auch die Robert Bosch GmbH in Homburg engagiert sich jährlich, weil sie es als eine wichtige Aufgabe ansieht, mehr Frauen für technische Berufe zu gewinnen. Seit 2012 macht die Frankfurt School of Finance & Management gGmbH (FS) beim Girls' Day mit, die als Business School bei jungen Mädchen das Interesse für das Wirtschafts- und Finanzwesen fördern will. Dort können sich die Mädchen über Studienfächer wie z. B. Wirtschaftsinformatik informieren.

Technik erleben können die jungen Frauen auch in der Lernfabrik Berlin. Dort erhalten sie einen Einblick in die Welt der Elektrotechnik, Elektronik und Elektromobilität. Sie führen Lötarbeiten selber durch und lernen, wie 3D-Druck sowie rechnergesteuerte Programmierung und Metallverarbeitung mit modernster Produktionstechnik funktionieren. Die Volkmer Messing- und Edelstahl-Manufaktur in Rheine wiederum bringt den Mädchen das Berufsbild der Metallbildnerin näher. Bei der Bearbeitung eines eigenen Werkstückes können die Mädchen ihr handwerkliches Geschick entdecken.

Eine der ersten Firmen, die sich am Girls' Day beteiligte, ist die Heraeus Holding GmbH in Hanau. Sie ist seit 2002 dabei. Am Girls' Day lernen die Mädchen dort verschiedene technische Berufe durch möglichst viele praktische Tätigkeiten kennen. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Spaß die Mädchen haben und mit welcher Begeisterung sie sich vorstellen können, ebenfalls einmal einen technischen Beruf zu erlernen. Mittlerweile findet sich in jedem unserer angebotenen Ausbildungsberufe auch mindestens ein Mädchen pro Lehrjahr“, freut sich Sonya Ofcarek, die im Ausbildungsmarketing der Holding tätig ist.
Neu dabei wiederum ist das IT-Unternehmen OFIGO GmbH & Co KG aus Essen. Weil sich auf seine Stellenausschreibungen kaum Softwareentwicklerinnen melden, hat das IT-Unternehmen 2015 erstmals am Girls' Day teilgenommen. „Für uns als kleines IT-Unternehmen ist der Girls' Day die ideale Plattform, um hier die Weichen für die Zukunft zu stellen“, sind Andreas Rittel und Stephan Spies, Gründer und Geschäftsführer der OFIGO GmbH & Co KG, sicher. An diesem Tag können sie einerseits den Mädchen die Scheu vor dem Programmieren nehmen und damit andererseits dem eigenen weiblichen Arbeitskräftemangel entgegnen.

Effektive Berufsvorbereitung

Berufsorientierung ist dann besonders wirkungsvoll, wenn sie gemeinsam von Schulen, Betrieben und Eltern vollzogen wird. Lehrkräfte und Eltern kennen die Stärken und Begabungen ihrer Kinder am besten und können sie deshalb gut beraten und unterstützen. Ein Grund, warum an einigen Schulen der Girls' Day verpflichtend eingeführt wurde, wie beispielsweise an der Theodor-Heuss-Schule in Bielefeld. Alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 und 8 müssen am Girls' Day bzw. Boys' Day teilnehmen, ältere und jüngere können sich für den Tag freistellen lassen. Die Schule hat viele regionale Unternehmen angesprochen, die an diesem Tag Schnupperpraktikumsplätze für die Schülerinnen und Schüler bereitstellen. Im Politikunterricht wird der Aktionstag vor- und nachbereitet.

Aber den Girls' Day gibt es nicht nur in Deutschland. In über 20 europäischen Ländern, darunter in Estland, Frankreich, Italien, im Kosovo, in Liechtenstein, in den Niederlanden, in Norwegen, Spanien oder Ungarn finden derartige „Mädchen – Zukunftstage“ statt. Es werden auch grenzüberschreitende Aktionen in Österreich, Luxemburg, Belgien, Polen, Tschechien und der Schweiz durchgeführt. In Asien wird der Girls' Day in Kirgisistan, Japan und Südkorea praktiziert und seit 2014 auch im afrikanischen Äthiopien. In diesem Jahr wird es ihn erstmals auch in Ägypten geben.

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 28.04.2016
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