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31. 03. 2016

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Zur Zukunft des Lehrerberufs

Internationaler Bildungsgipfel ISTP erstmals in Deutschland

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Vom 3. bis 4. März 2016 war Deutschland Gastgeber des sechsten Internationalen Gipfels zum Lehrerberuf (International Summit on the Teaching Profession/ISTP). Rund 400 Teilnehmer aus 23 der leistungsfähigsten Bildungsnationen und -regionen der Welt tauschten sich beim ISTP in Berlin über die Fortentwicklung des Lehrerberufs aus. Hauptthema des diesjährigen Gipfels war die „Professionalisierung von Lehrkräften: Voraussetzungen für gute Unterrichtsqualität und beste Lernergebnisse".


„Welche Kompetenzen müssen Lehrkräfte heute haben?“, „Wo funktioniert international die Professionalisierung von Lehrkräften am besten?“, „Was sind die Voraussetzungen für einen guten Unterricht?“ und „Wie kann die Politik sie in ihrer Arbeit unterstützen?“ – um diese Leitfragen ging es beim sechsten „International Summit on the Teaching Profession“ (ISTP) am 3. und 4. März in Berlin. Der ISTP ist ein jährlich stattfindender zweitägiger Bildungskongress, der sich der Professionalisierung von Lehrkräften widmet, um den aktuellen Herausforderungen bestmöglich zu begegnen. Er wird gemeinsam von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Education International (Internationale Dachorganisation der Bildungsgewerkschaften) und dem jeweiligen ausrichtenden Land (2011 und 2012 USA, 2013 Niederlande, 2014 Neuseeland, 2015 Kanada) veranstaltet.

An dem Summit nehmen Ministerinnen und Minister aus Europa, Nord-Amerika und der Asien-Pazifik-Region sowie hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Lehrergewerkschaften sowie der Schulpraxis teil. Die Lehrerkonferenz wurde im Jahr 2011 von US-Präsident Barack Obama als zunächst einmaliges Ereignis initiiert. Aufgrund des großen internationalen Interesses entwickelte sich der Kongress zu einer jährlichen Veranstaltung, die jeweils von einem OECD-Mitgliedsstaat ausgerichtet wird. In den vergangenen Jahren ist der Summit zu einem wichtigen Forum für den offenen und konstruktiven Austausch über wirksame Politik und Praxis in allen Aspekten des Lehrerberufs geworden.

Das Thema des ISTP 2016
Deutschland war in diesem Jahr das erste Mal Gastgeber der Konferenz. Ausgerichtet wurde der ISTP von der Kultusministerkonferenz (KMK), der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie dem Verband Bildung und Erziehung (VBE). Acht Stiftungen (Bertelsmann-Stiftung, Deutsche Telekom Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Hertie-Stiftung, Stiftung Mercator, Vodafone Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Joachim Herz Stiftung) unterstützten die Gastgeber. Geladen waren 400 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Gewerkschaften, Verbänden, Wissenschaft und Praxis aus 23 Ländern, vorrangig solchen, die bei PISA gut abschnitten oder große Sprünge verzeichneten. Neben den europäischen Ländern waren Kanada, USA, Australien, Neuseeland, Japan und Singapur sowie – als Beobachter – Brasilien vertreten.

An beiden Tagen tauschten sich die Beteiligten unter dem diesjährigen Motto „Professionalisierung von Lehrkräften: Voraussetzungen für gute Unterrichtsqualität und beste Lernergebnisse" über aktuelle Entwicklungen in der Bildungspolitik aus. Im Zentrum standen die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie die Professionalisierung, Anerkennung und Akzeptanz des Berufs. „Das Thema des diesjährigen Summits, die ´Professionalisierung von Lehrkräften`, trifft den Kern unserer stetigen Diskussion über die Zukunft des Lehrerberufs. Lehrergewerkschaften und Bildungsminister diskutieren deshalb beim diesjährigen Summit über die Frage, wie Lehrkräfte in ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden können. Wir müssen gemeinsam überdenken, welche Kompetenzen Lehrer tatsächlich für die erfolgreiche Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit benötigen. Solche Fragen können wir nur gemeinsam lösen. Hierfür ist eine Kooperation zwischen Regierungen und Lehrergewerkschaften unabdingbar“, betonte Fred van Leeuwen, Generalsekretär von Education International, in seiner Begrüßungsrede.

Gemeinsame Ziele
Der Bildungsgipfel war geprägt von intensiven Diskussionen über guten Unterricht und Bildungsstandards. Ansätze und Rahmenbedingungen, wie Lehrer in verschiedenen Teilen der Welt ausgewählt, ausgebildet und angeleitet werden, um Schüler zu unterrichten, wurden vorgestellt. VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann betonte: „Die vorangegangenen fünf ISTP haben gezeigt, dass kein Land über Patentlösungen für die gute Schule verfügt, doch geht es im Kern immer darum, die Bildungschancen jedes Schülers von dessen sozialer Herkunft zu entkoppeln.“ Zu den Zielen, welche die deutsche Delegation aus Kultusministerkonferenz (KMK), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Verband Bildung und Erziehung (VBE) vereinbarten, gehörten der Ausbau der Fortbildungsangebote zum Umgang mit Diversität – gerade angesichts der Integration der Flüchtlingskinder –, die Erarbeitung einer Strategie zum Thema Bildung in der digitalen Welt sowie ein noch intensiverer Austausch zwischen Politik und Praxis. Die KMK-Präsidentin und Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan betonte: „Wir müssen von Anfang an gemeinsam diskutieren" und „dann auch zusammen marschieren". Angesichts einer Veränderung der Gesellschaft müsse auch die Erziehung zum „Global Citizen“, zum Weltbürger, und damit auch die politische Bildung der Schülerinnen und Schüler wieder mehr in den Fokus rücken, mahnte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD), der für die KMK als Sprecher bei dem Bildungsgipfel auftrat, legte Wert auf die Feedback-Kultur und Kooperationsbereitschaft von Lehrern und stellte die Frage, wie Schulleitungen gestärkt werden können. Dringenden Nachholbedarf sah die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bei dem Thema „Inklusion". Lehrerinnen und Lehrer bräuchten zusätzliche Kompetenzen, um die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler inklusiv zu gestalten. Darauf müsse in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte entsprechend reagiert werden, unterstrich Tepe.

„Break-out Sessions"
Verschiedene Aktivitäten vor und nach dem ISTP sollten den internationalen Teilnehmern die Möglichkeit bieten, zusätzliche Einblicke in das deutsche Schulsystem zu gewinnen und mit unterschiedlichen Akteuren im Bildungsbereich in Kontakt zu treten. So gab es im Vorfeld zum Beispiel die Möglichkeit, Berliner Schulen zu besuchen, den dortigen Unterricht kennenzulernen und vor Ort mit Lehrkräften und Schulleitern ins Gespräch zu kommen. Der Bildungsdirektor der OECD, Andreas Schleicher, betonte in seiner Ansprache, dass Fachleute aus aller Welt mit großem Interesse nach Berlin kämen, „weil sie von Deutschland lernen können und wollen“. Deutschland bewältige mit der Eingliederung hunderttausender Flüchtlinge Bildungsintegration in einer bewundernswerten Dimension. Auch mit seinem System der beruflichen Bildung sei Deutschland Vorreiter, lobte er.

Erstmals seit seinem Bestehen im Jahre 2011 fanden beim diesjährigen ISTP so genannte „Break-out Sessions" statt, die intensive Diskussionen in geschlossenen Runden ermöglichten. So trafen sich zeitgleich die Minister, die Gewerkschaftsführer und die Lehrkräfte zu separaten Gesprächen. Die unabhängige Pre-Summit-Konferenz für Lehramts-Praktiker aus aller Welt ging auf Initiative von Dr. Tagrid Yousef zurück. Die Gewinnerin des Deutschen Lehrerpreises 2012 in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus" suchte auf dem ISTP 2015 in Banff nach einer Möglichkeit, die dort besprochenen Themen nur unter Lehrern zu diskutieren. „Als reine Beobachter konnten wir den Ausführungen der Bildungsexperten lediglich zuhören, wünschten uns aber eine Möglichkeit, uns selbst einbringen und unsere Erfahrungen unter uns austauschen zu können", so Dr. Tagrid Yousef. „Im Laufe des letztjährigen Treffens kam ich daher zusammen mit knapp zwei Dutzend Lehrkräften aus vielen Ländern auf die Idee, 2016 einen unabhängigen Pre-Summit zum ISTP zu organisieren." Auf diesem Pre-Summit hatten in diesem Jahr alle interessierten Praktikerinnen und Praktiker die Möglichkeit, sich mit den Leitthemen des ISTP, ihrer eigenen Sichtweise des Lehrerberufs sowie internationalen Lehr-Standards aktiv auseinanderzusetzen. Das daraus resultierende Thesenpapier wurde auf dem ISTP eingebracht.

Einigkeit über Austausch und Weiterbildung
Mit einer Abschlussdiskussion ging am Freitag, dem 4. März 2016, in Berlin der sechste „International Summit on the Teaching Profession“ (ISTP) erfolgreich zu Ende. Es herrschte weitestgehend Einigkeit darüber, dass Lehrkräfte sich so viel wie möglich untereinander austauschen und weiterbilden sollten, allerdings, so ein Vorschlag, sei es durchaus sinnvoll, wenn Lehrer/inn/en selbst diese Fortbildungen durchführten, um Realitätsferne zu verhindern. Auch die Flut von Verordnungen, die über die Schulen in Deutschland genauso wie in vielen anderen Ländern hereinbrächen, werden als extrem kontraproduktiv empfunden. „Für die Lehrkräfte ist derzeit die Politik der größte Belastungsfaktor“, erklärte dazu VBE-Vorsitzender Udo Beckmann. Ein Innovationsprojekt, das konsequent vorangebracht werde, reiche. Laut OECD-Report zeichnen sich Lehrer in Ländern mit guten Leistungsergebnissen nicht nur durch solide Grundkenntnisse und hohe Kooperation aus, sondern ebenso durch hohe Autonomie, also wenige staatliche Vorschriften. Im Rahmen des Bildungsgipfels unterzeichneten die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Dr. Claudia Bogedan, Regierungsrat Christian Amsler für die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren und Minister Doug Currie für das Council of Ministers of Education, Canada, ‒ drei föderalistisch organisierte Staaten ‒ eine Erklärung, ihre Bildungszusammenarbeit zu Fragen der politischen und administrativen Steuerung des Bildungswesens in dezentralen Systemen sowie Implementierungsprozesse im Schulwesen noch weiter auszubauen und zu vertiefen.






 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 31.03.2016
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