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Orte der Integration – in Deutschland und Israel

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Lese- und Medienclubs unterstützen den Erwerb von Lesekompetenz

28.06.2011
Logo der LeseMedienClubs
Logo der LeseMedienClubs, © Stiftung Lesen
Im Rahmen der Jerusalemer Buchmesse „Jerusalem Book Fair“, Ende Februar 2011, wurde das wissenschaftliche Fazit des binationalen Modellprojekts „Lese- und Medienclubs in Deutschland und Israel“ gezogen. Das Ergebnis: Diese Einrichtungen an der Schnittstelle von Schule und Freizeit helfen insbesondere bildungsfernen Kindern und Jugendlichen nicht nur beim Erwerb von Lese- und Medienkompetenz, sondern ganz umfassend bei der Integration.
Sorgfältig ausgestattete Räume mit einem reichhaltigen Medienangebot
Sie wurden in Israel erfunden, unter anderem in Deutschland weiterentwickelt – und jetzt in beiden Ländern zwei Jahre lang auf Herz und Nieren in ihrer Wirksamkeit geprüft: „Lese- und Medienclubs“. Es handelt sich um besonders sorgfältig ausgestattete Räume an Schulen, die mit einem reichhaltigen Medienangebot an der Schnittstelle von Unterricht und Freizeit Kindern Lesefreude sowie Sprach- und Medienkompetenz vermitteln möchten. Betreut werden sie von speziell geschulten Lehrkräften sowie außerschulischem Personal. Dass dieses Konzept sich in beiden Ländern in der Praxis bewährt und ein regelmäßiger binationaler Austausch zwischen den Clubs zusätzlich die Wirksamkeit erhöht – das belegt eine Untersuchung, die im Rahmen einer Fachtagung bei der „Jerusalem Book Fair“ Ende Februar 2011 vorgestellt wurde. Das Modellprojekt „Lese- und Medienclubs in Deutschland und Israel“ wurde über zwei Jahre hinweg von der Stiftung Lesen gemeinsam mit dem „Center for Educational Technology (CET)“ in Tel Aviv durchgeführt. Einrichtung, Ausstattung und Durchführung der Lese- und Medienclubs sowie eine differenzierte Begleitstudie wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert.

Ein traditionsreiches Medienerziehungsprojekt
„Damit konnte ein besonders traditionsreiches Medienerziehungsprojekt in den Blick genommen werden“, erklärt Projektleiterin Karen Ihm von der Stiftung Lesen. Die ersten Lese-Medien-Clubs seien vor 30 Jahren eingerichtet worden, um insbesondere Kindern aus bildungsfernen Milieus und mit Migrationshintergrund nachhaltige Bildungsimpulse zu geben. Seit dieser Zeit hätten sie viele medienpädagogische Innovationen mitgetragen: beispielsweise Medienangebote auf der Grundlage von Kinder- und Jugendliteratur. Ihm: „Die engen Kontakte zwischen den jeweiligen Institutionen in Deutschland und Israel sind nicht zuletzt ein Beleg dafür, dass Leseförderung einen wichtigen Impuls für binationalen Kulturaustausch bedeuteten kann.“

Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung
Das Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen begleitete die Lese- und Medienclubs in israelischen und deutschen Schulen kontinuierlich über zwei Schuljahre hinweg. Die wissenschaftliche Untersuchung betrachtete systematisch, wie die einzelnen Clubs das Konzept konkret umsetzen. Im Mittelpunkt der Studie stand die individuelle Entwicklung der Clubmitglieder - ihre Lesekompetenz und Lesefreude, ihr Lese- und Medienverhalten ebenso wie ihre Lernmotivation sowie Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung und des sozialen Verhaltens.

Die Evaluationsstudie begann zum Zeitpunkt der Einrichtung der Clubs in Deutschland und Israel im Sommer 2008 und erstreckte sich über zwei Schuljahre bis zum Sommer 2010. Für die Untersuchung wurden zu mehreren Zeitpunkten standardisierte quantitative (v. a. schriftliche Befragungen von Clubbetreuern und -mitgliedern) und qualitative Verfahren (Beobachtungen in Clubsitzungen, Gruppendiskussionen und telefonische Leitfadengespräche mit den Clubbetreuern) kombiniert. Die Clubbetreuer führten über jedes Clubtreffen ein sogenanntes „Clubtagebuch“. Die Tagebücher wurden systematisch ausgewertet und geben Aufschluss über die Aktivitäten und thematischen Schwerpunkte in den Clubs. Zusätzlich stuften die Betreuer ab Sommer 2009 für jedes Kind in den Clubs mehrfach Lese- und Medienkompetenz sowie persönliche und soziale Eigenschaften ein (Polaritätsprofil). Die Messungen wurden anonym durchgeführt. Über ein spezielles Verfahren war jedoch gewährleistet, dass Veränderungen, z. B. in der Lesekompetenz und -motivation, im Sinne von Effekten der Clubs auf individueller Ebene erfasst werden konnte, ohne dass den Evaluatoren die Namen der Kinder bekannt waren.

Die Angebote der Lese- und Medienclubs können unmittelbar punktuelle, kurz- mittel- und langfristige Effekte besitzen. Ein unmittelbarer Effekt besteht z. B. darin, dass Kinder an einem Clubnachmittag so in die Aktivitäten vertieft sind, dass sie nicht nach Hause gehen möchten. Kurzfristige Effekte zeigen sich nach wenigen Tagen oder Wochen – z. B. darin, dass zunächst eher schüchterne Kinder nach einigen Clubtreffen motiviert und selbstbewusst genug sind, um in der Gruppe laut vorzulesen. Mittelfristige Effekte beschreiben Veränderungen, die sich nach mehreren Monaten oder über ein Schuljahr hinweg zeigen, z. B. dass die Freude der Clubmitglieder am Lesen messbar und auf einem stabilden Niveau gestiegen ist. Langfristige Effekte sind über Jahre und Jahrzehnte hin wirksam. Sie können sich beispielsweise darin zeigen, dass (ehemalige) Clubmitglieder als Erwachsene häufiger und intensiver lesen als Personen mit vergleichbaren Ausgangsbedingungen, die nicht in Lese- und Medienclubs waren. Die in den israelischen und deutschen Clubs durchgeführte Evaluationsstudie erlaubt den Nachweis von unmittelbaren, kurz- und mittelfristigen, nicht aber von Langzeiteffekten, weil der Untersuchungszeitraum hierfür nicht ausreichend lang ist.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung zeigen: Das Konzept der Lese- und Medienclubs funktioniert unabhängig von Ländergrenzen. Die Clubs besitzen nachweisbar positive kurz- und mittelfristige Effekte auf Lesefreude und Lesekompetenz, auf Lese- und Medienverhalten, auf Lernmotivation und damit möglicherweise auch auf den Schulerfolg, die Persönlichkeitsentwicklung und das soziale Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Nicht alle Wirkungen zeigen sich gleichermaßen in allen Bereichen und in allen Zielgruppen - das zu erwarten wäre sicherlich unrealistisch. Jedoch zeigen die Einzelbefunde in der Summe, dass Lese- und Medienclubs gerade in bildungs- und damit häufig lesefernen Umgebungen im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes dazu beitragen, die Bildungsbiographien der Kinder und Jugendlichen positiv zu prägen und ihnen ein anderes Bild vom Lesen und von der Mediennutzung zu vermitteln, als sie es im familiären und schulischen Bereich wahrnehmen. Die Vielzahl der Effekte, die schon nach kurzer Zeit wahrgenommen werden können, lässt erwarten, dass auch solche Schüler/-innen aus Lese- und Medienclubs etwas mitnehmen, die nur für kurze Zeit dort aktiv sind.

Positive Bilanz
Dr. Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen, das die Untersuchung durchführte, zog eine ebenso facettenreiche wie positive Bilanz des Projektes: „Lese- und Medienclubs haben nicht nur messbar positiven Einfluss auf Lese- und Medienkompetenz von Kindern aus bildungsfernen Milieus. Sie bilden darüber hinaus gerade für Kinder mit Migrationshintergrund einen ebenso geschützten wie motivierenden Raum, um Sprachkompetenz zu erwerben. Sie sind Orte der Integration – und das sowohl in Deutschland als auch in Israel.“

Kontakt:
Dr. Simone Ehmig
Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 25041-0
E-Mail: forschung@stiftunglesen.de
Internet: www.stiftunglesen.de/forschung

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