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Evaluation von „Leseschulen“ und „Lesevorschulen“

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Vorlesekampagne „Cala Polska czyta dzieciom“

27.07.2011
Plakat der Vorlesekampagne
Plakat der Kampagne, © Foundation ABCXXI
Die „ABCXXI - All of Poland Reads to Kids“-Stiftung hat 2001 gemeinsam mit dem polnischen Kultusministerium eine Kampagne zur Leseförderung ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, das tägliche Vorlesen zu fördern, sowohl zuhause und in der Schule als auch an öffentlichen Orten. 2011 wurde das zehnjährige Jubiläum der erfolgreichen Kampagne, aus der zahlreiche Projekte und Aktionen hervorgegangen sind, gefeiert. Im Jahr 2003 wurden einige Schulen und Vorschulen, in denen die Lehrkräfte den Kindern regelmäßig vorlesen, zu „Leseschulen“ bzw. „Lesevorschulen“. Die Effekte des Vorleseprogramms an diesen Schulen wurden im Jahr 2006 vom Evaluationszentrum „Osrodek Ewaluaji“ in Kooperation mit den lokalen Programmkoordinatoren analysiert.
1. Ziele der Evaluation:
  • Welche Effekte – insbesondere Lerneffekte im Bereich der Sprachkompetenz der Kinder lassen sich auf das Programm zurückführen? Hierzu wurde ein Vergleich gezogen zwischen Klassen, die an dem Projekt teilgenommen haben, und Klassen, in denen nicht verstärkt vorgelesen wurde.
  • Bestimmung der Faktoren, die einen Einfluss auf die Wirksamkeit des Programms haben.
  • Formulierung von Schlussfolgerungen und Empfehlungen zur Qualitätssteigerung des Programms.

2. Datenerhebung und Methodenvielfalt
Betrachtet wurden insgesamt 22 Schulklassen und Vorschulgruppen, darunter acht Vorschulgruppen, jeweils vier dritte und vierte Klassen und sechs Klassen der zweiten Stufe der Mittelschule. Innerhalb der Messung wurden folgende Schritte durchgeführt:
  • Teilnehmende Beobachtungen in den Schulklassen, bei denen die wissenschaftlichen Begleiter auch selbst vorgelesen haben (22 Videos),
  • Analyse der geschriebenen Texte von mindestens zehnjährigen Kindern. Die Kinder verfassten einen Text selbstständig nach einem vorgegebenen Thema. Zu dem jeweiligen Thema hatten die Kinder zuvor einen Text selbstständig gelesen (204 Arbeiten),
  • Analyse von Zeichnungen der Kinder unter zehn Jahren auf Basis eines (für Vorschulkinder) vorgelesenen oder (für Grundschulkinder) selbst gelesenen Textes (263 Zeichnungen),
  • Interviews mit den Lehrkräften,
  • Interviews mit den „Vorlesern“,
  • Interviews mit den Schulbibliothekaren (insgesamt 37 Interviews),
  • moderierte Diskussionsrunde mit Schülern und Vorschulkindern im Rahmen einer Vorlesestunde.

3. Die zentralen Ergebnisse
Die Studie konnte nachweisen, dass sich das Vorlesen an Schulen positiv auf die Sprachentwicklung der Kinder auswirkt. Unterschiedliche Entwicklungsfortschritte zeigten sich insbesondere zwischen den Klassen, in denen verstärkt vorgelesen wurde, und den Klassen, in denen nicht vorgelesen wurde. Außerdem zeigten sich Unterschiede in der Entwicklung von Vor- und Grundschulkindern. In den folgenden Bereichen konnten Verbesserungen gegenüber den Kontrollklassen nachgewiesen werden:
  • Sprach- und Schreibfähigkeit: Das Vorlesen erweiterte das Vokabular und die Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder.
  • Textverstehen und Befolgen von Anweisungen: Fragen wurden mit immer weniger Fehlern beantwortet. Die Kinder merkten sich mehr Textdetails.
  • Konzentration und Aufnahmefähigkeit: Die Schüler zeigten sich wesentlich seltener gelangweilt oder desinteressiert. Die Kinder konnten sich an mehr Einzelheiten in den verschiedenen Geschichten erinnern.
  • Reflektiertes und kritisches Denken wurde vor allem in den Diskussionsrunden vermehrt erkennbar.
  • Logisches Denken, z. B. zum Zusammenhang von Ursache und Wirkung, zeigte sich insbesondere im Aufbau der geschriebenen Texte oder in den Zeichnungen.
  • Motivation zur aktiven Beteiligung: Die Kinder zeigten im Vergleich zu den Kontrollklassen eine erhöhte Bereitschaft, wesentlich längere Texte selbst zu formulieren.
  • Sozialverhalten und Fähigkeit, Probleme zu lösen: Die Kinder lernten aus den Geschichten u.a. den friedlicheren Umgang mit ihren Mitschülern.
  • Zwischen Lehrern und Schülern entwickelten sich engere Beziehungen und emotionale Bindungen durch das gemeinsame Vorlesen und Zuhören.
  • Offenheit und bestimmte Vorlieben: Die teilnehmenden Kinder entwickelten eigene Vorlieben für bestimmte Genres und teilten diese den Wissenschaftlern mit.
  • Bereitschaft zum Lesen und Einstellung gegenüber Büchern: Die Kinder der „Vorleseklassen“ liehen mehr Bücher aus. Das regelmäßige Vorlesen verstärkte zudem die positive Einstellung der Kinder zum Lesen.
  • Mehr Unterstützung durch die Eltern, die durch das Interesse ihrer Kinder selbst zu vorlesenden Eltern wurden.

Bei den Vorschulklassen zeigte sich, dass regelmäßiges Vorlesen sowie die positiven Erlebnisse, die mit dem Vorlesen assoziiert wurden, die Entwicklung der Kinder positiv beeinflussten. Für diese Zielgruppe ist es außerdem wichtig, sich im Unterschied zum freien Erzählen auch an literarischen Texten zu orientieren, weil diese Form die sprachlichen Fähigkeiten fördert und weiter ausbildet.

Grundschulkinder zeigten vor allem Fortschritte in der Konzentrationsfähigkeit und Vorstellungskraft sowie im freien Formulieren einer eigenen Meinung und beim Verstehen von Inhalten.

Die Kinder der Mittelschule verbesserten ihre Sprachkompetenz, ihr Textverständnis, ihr Reflexionsvermögen und entwickelten die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven wahrzunehmen. Allerdings zeigten sich hier weniger große Differenzen zu den Leistungen der Schülerinnen und Schüler aus nicht teilnehmenden Klassen. Die Altersgruppe der Mittelschule ist tendenziell schwieriger für das Vorlesen zu begeistern. Vor allem den Lehrkräften erscheint das Vorlesen bei dieser Altersgruppe als unpassend, auch zeigen sich die Jugendlichen tendenziell weniger begeistert als die jüngeren Kinder. Auch zu Hause wird den älteren Kindern kaum noch vorgelesen, was zusätzlich negativ ins Gewicht fällt. Häufig sind die Geschmäcker der Kinder bereits so ausdifferenziert, dass die Auswahl passender Literatur zunehmend schwerer fällt.

4. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Das Programm ist umso erfolgreicher, je früher den Kindern vorgelesen wird. Aus der Studie ergaben sich die besten Ergebnisse für Vor- und Grundschulkinder, die besonderen Spaß am Vorlesen hatten. Des Weiteren ist es wichtig, altersgerechte und auch visuell ansprechende Bücher auszuwählen und den Kindern im Anschluss an das Vorlesen oder auch während des Vorlesens genug Zeit für Fragen und Rückmeldungen zu geben. Die Lehrkraft sollte während des Vorlesens Ruhe, Vertrauen und Sicherheit ausstrahlen. Auch sollte der Vorleseraum Ruhe und Konzentration zulassen. Neben einer offenen Atmosphäre zeigt sich, dass eine gute psychische und physische Verfassung der Kinder entscheidende Einflussfaktoren für das Gelingen von Vorlesestunden sind. Kinder, die früh mit Büchern in Kontakt kommen, zeigen auch langfristig eine Affinität zum Buch und zum Lesen. Eine positive Einstellung der Lehrkräfte und der Eltern zum dem Lesen und Vorlesen, beeinflusst stark die Motivation der Kinder, selbst zum Buch zu greifen und darin zu lesen.

Das Evaluationsteam empfahl, das Programm vor allem für die Vor- und Grundschule einzusetzen und sukzessive auch auf höhere Jahrgänge auszuweiten. Dabei ist es sinnvoll, das Bearbeiten von Aufgaben graduell in die Vorlesestunde einfließen zu lassen, ohne die Kinder jedoch unter zu starken Leistungsdruck zu setzen. In diesem Sinne sollte auch eine Evaluation getrennt vom „normalen“ Programm verlaufen. Die Stunden könnten bspw. durch Zusatzaktivitäten wie Malen und Basteln angereichert werden. Außerdem wäre es sinnvoll, Kooperationen mit Schulleitungen in Erwägung zu ziehen, um die Bedeutung der Vorlesestunden hervorzuheben. Auch im pädagogischen Studium sollte das „Vorlesen“ insgesamt mehr Beachtung finden.

Zusammenfassung: Stiftung Lesen, Juni 2011

Quelle: www.allofpolandreadstokids.org/oe-report

Kontakt:
Foundation ABCXXI - All of Poland Reads to Kids
Rosola 44 A Str.
02-787 Warsaw, Poland
E-Mail: fundacja@cpcd.pl
Internet: www.AllofPolandReadstoKids.org

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